Der "Dschungel von Calais" ist geräumt

Feuer und Aufräumarbeiten: So sieht es nach der Räumung in Calais aus

Dramatische Stunden in Calais: Im Flüchtlingscamp lodern Flammen auf, die letzten Bewohner verlassen die notdürftigen Behausungen. Das Lager soll inzwischen leer sein.

Alle Flüchtlinge haben wegen starker Brände das Lager im nordfranzösischen Calais verlassen. "Das Lager ist endgültig leer", sagte die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio, am Mittwoch dem französischen Nachrichtensender BFMTV. Journalisten berichten jedoch von kleinen Menschengruppen, die sich noch im Lager aufhalten.

Im Lager hatte es bereits in der Nacht gebrannt; die Flammen loderten in den Mittagsstunden wieder auf. Immer wieder kam es zu Explosionen, wenn das Feuer auf Gaskartuschen stieß. Laut unserem Reporter vor Ort, Arnulf Stoffel, stiegen noch am frühen Abend immer wieder Feuerbälle in die Luft.

Die Feuerwehr habe Probleme, die Brandherde im Lager mit ihren Fahrzeugen zu erreichen. Lediglich ein geländefähiger Unimog sei unterwegs, ständig müsse neues Wasser geholt werden, berichtet unser Reporter. Einige verbliebene Flüchtlinge würden mit Feuerlöschern helfen, die Brandherde zu löschen. "Es sind aber zu viele Feuer", sagt Stoffel. Über dem Areal stiegen dichte, schwarze Rauchwolken auf, da viele Plastikplanen brannten. "Das sieht aus wie im Krieg hier", sagt unser Reporter am späten Nachmittag.

Dutzende Minderjährige ohne Dach überm Kopf

Wegen der Räumung sind Dutzende minderjährige Flüchtlinge nach Angaben von Hilfsorganisationen plötzlich ohne Obdach. "Das Containerlager, in dem registrierte Minderjährige schlafen können, ist voll", sagte ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen, Samuel Hanryon, am Mittwoch.

Weil viele Hütten und Zelte im Lager abgebrannt seien, gebe es jetzt keinen Ort mehr, wo die Minderjährigen hingehen könnten. "Sie laufen verloren umher und fragen sich, wo sie die Nacht verbringen sollen", sagte Hanryon. Betroffen seien "mindestens Dutzende" Minderjährige, die Zahl sei aber schwer zu schätzen.

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Auch der Leiter der Hilfsorganisation France Terre d'Asile, Pierre Henry, sagte, es gebe in den Wohncontainern für die Kinder und Jugendlichen keinen Platz mehr. Die Registrierung minderjähriger Flüchtlinge sei deswegen unterbrochen worden. Hilfsorganisationen hatten vor Beginn der Lagerräumung von rund 1300 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Calais gesprochen. Das Containerlager hat rund 1500 Schlafplätze.

Ursprünglich sollte die Räumung von Calais eine Woche dauern

Das Elendscamp wird seit Montag von den Behörden geräumt. Etwa 5000 Flüchtlinge seien bereits registriert und in sichere Unterkünfte gebracht worden, sagte Buccio.

Etwa 1000 Menschen warteten am Nachmittag noch vor dem Transitzentrum unweit des Lagers. Ursprünglich sollte die Räumung eine Woche lang dauern. "Das ist ein wichtiger Augenblick", sagte die Präfektin. "Der Einsatz geht zu Ende." Sie berichtete, dass vier Flüchtlinge wegen des Verdachts der Brandstiftung vorläufig festgenommen worden seien.

Alle Migranten seien freiwillig zu dem Transitzentrum gekommen, sagte Buccio. Von dort aus werden die Menschen mit Bussen in Aufnahmezentren in ganz Frankreich gebracht. Vor der Räumung hatte der größte Slum Frankreichs nach Behördenangaben rund 6500 Bewohner.

Bereits in der Nacht waren leere Hütten in Flammen aufgegangen. Gasflaschen explodierten. Dabei wurde ein Flüchtling leicht verletzt, wie der Radiosender France Inter berichtete. Arbeiter rissen weiter Zelte und Behelfsunterkünfte ein. Dazu soll nun auch schweres Gerät eingesetzt werden.

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(mre/dpa/afp)