Libyen-Krise: Der Druck auf Gaddafi steigt weiter an

Libyen-Krise : Der Druck auf Gaddafi steigt weiter an

Tripolis (RPO). Libyens Machthaber Muammar Gaddafi gerät immer stärker unter Druck. Inzwischen hat er die Kontrolle über Teile der Hauptstadt Tripolis verloren. Auch ehemalige politische Verbündete wie Silvio Berlusconi wenden sich von dem Despoten ab. Der UN-Sicherheitsrat beriet über eine Resolution, nach der Gaddafi eine Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof droht.

hat nun auch die Kontrolle über Teile der Hauptstadt verloren. Am Samstag zogen sich seine Sicherheitskräfte Anwohnern zufolge aus dem Arbeiterviertel Tadschura zurück. "Alle in Tadschura sind gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Wir haben gesehen, wie sie unser Volk hier und überall im Land getötet haben", sagte ein 25-jähriger Mann. "Wir werden weiter demonstrieren. Heute, morgen, übermorgen - bis sie sich ändern."

Freitagabend hätten die Sicherheitskräfte noch auf Demonstranten geschossen, die sich auf den Weg zum Grünen Platz im Zentrum der Stadt gemacht hätten. Dabei seien fünf Menschen ums Leben gekommen. Eine Bestätigung für die Zahl gab es nicht.

Die Schilderung steht in Kontrast zu den jüngsten Aussagen eines Sohnes von Gaddafi. "Frieden kehrt in unser Land zurück", sagte Saif al-Islam Gaddafi am Freitag vor eigens nach Libyen eingeflogenen Journalisten. Er hoffe, dass es zu keinem weiteren Blutvergießen kommen werde. "Bis morgen gibt es eine Lösung", sagte er. Zuvor hatte sein Vater seine Gefolgsleute zum Durchhalten aufgerufen.

Tripolis ist nach wie vor das Zentrum des schwindenden Machtbereichs Gaddafis. Regierungsgegner haben nach eigenen Angaben die Kontrolle in Städten entlang der Osthälfte des rund 1.600 Kilometer langen bevölkerungsreichen Küstenstreifen Libyens übernommen. Auch mehrere Städte westlich von Tripolis werden inzwischen von Aufständischen kontrolliert.

Berlusconi wendet sich ab

Auch international erhöhte sich der Druck auf Gaddafi. Sein engster Verbündeter in Europa, der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, sagte am Samstag, dass Gaddafi nicht mehr Herr der Lage sei. Die USA verhängten Sanktionen gegen die libysche Regierung. US-Präsident Barack Obama unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Direktive.

Außenminister Guido Westerwelle hat sich in einem Zeitungsinterview für den Rückzug Gaddafia ausgesprochen. "Eine Herrscherfamilie, die so brutal einen Krieg gegen das eigene Volk führt, ist am Ende. Der Diktator kann nicht bleiben", sagte Westerwelle der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut einer Vorabmeldung vom Samstagabend.

Die Europäische Union hat sich im Grundsatz auf Sanktionen gegen das energiereiche Land geeinigt. Es herrsche Einigkeit, dass die Aktionen der libyschen Regierung nicht hingenommen und Brutalität sowie Einschüchterungen nicht akzeptabel seien, sagte der britische Premierminister David Cameron am Samstag nach Telefonaten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlusconi und dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan.

UN-Sicherheitsrat berät über Resolution

Der UN-Sicherheitsrat berät zur Stunde über eine Resolution zum Thema. Den 15 Mitgliedstaaten liegt ein von westlichen Staaten verfasster Resolutionstext vor, der dem libyschen Machthaber Muammar el Gaddafi unter anderem mit einem Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit droht. Der Entwurf sieht zudem ein Embargo für Waffenlieferungen an Libyen vor, ein Reiseverbot für Gaddafi sowie ein Einfrieren seines Vermögens. Die Sanktionen sollen das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Regierungsgegner in Libyen stoppen.

In Folge der Unruhen ist die Förderung an einigen ostlibyschen Ölfeldern einem Manager um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Nach Angaben aus der Ölindustrie außerhalb Libyens sind die Exporte aus dem zwölftgrößten Förderland der Erde seit dem Beginn des Aufstandes praktisch zum Erliegen gekommen. Libyen ist für zwei Prozent der weltweiten Produktion verantwortlich. Der größte Teil der Felder liegt im Osten des Landes, über den Gaddafi die Kontrolle verloren hat. Die Sorge vor einer Ölkrise nahm zum Wochenschluss leicht ab. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien will für die libyschen Ausfälle einspringen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gaddafi - größenwahnsinniger Diktator

(RTR/AFP/ndi)