Deniz Yücel hat die Türkei verlassen - Flugzeug in Istanbul gestartet

Flugzeug in Istanbul gestartet: Deniz Yücel verlässt die Türkei mit dem Ziel Deutschland

Deniz Yücel hat die Türkei wenige Stunden nach seiner Freilassung verlassen. In einem Flugzeug machte er sich auf den Weg in Richtung Deutschland. Außenminister Gabriel bekräftigt indes, das es keine Deals mit der Türkei gegeben habe.

Ein Flugzeug mit dem deutsch-türkischen Journalisten an Bord startete am Freitagabend in Istanbul. Yücel war zuvor nach einem Jahr in türkischer Haft aus dem Gefängnis entlassen worden.

Der deutsch-türkische Journalist hatte sich am 14. Februar 2017 freiwillig der Polizei in Istanbul zur Befragung gestellt und war daraufhin in Untersuchungshaft genommen worden. Erst am Freitag - 367 Tage später - reichte die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift ein. Sie fordert zwischen vier und 18 Jahren Haft wegen "Volksverhetzung" und "Terrorpropaganda".

Das Gericht ordnete aber für die Dauer des Prozesses Yücels Freilassung an. Nach Angaben der "Welt" wurde keine Ausreisesperre verhängt. Die Inhaftierung Yücels hatte die deutsch-türkischen Beziehungen belastet. Nach wie vor sitzen fünf Deutsche nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes aus politischen Gründen in der Türkei in Haft.

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Die Freilassung Yücels ist nach Angaben von Gabriel nicht auf Gegengeschäfte zwischen Deutschland und der Türkei zurückzuführen. "Ich kann Ihnen versichern, es gibt keine Verabredungen, Gegenleistungen oder, wie manche das nennen, Deals in dem Zusammenhang", sagte der SPD-Politiker. Politische Einflussnahme habe es allenfalls bei der "Verfahrensbeschleunigung" gegeben.

Gabriel rief dazu auf, den Moment zu nutzen, "alle Gesprächsformate" wieder in Gang zu setzen, um bei grundsätzlichen Fragen zwischen der Türkei, Europa und Deutschland voranzukommen. "Wir haben eine Vertrauensgrundlage geschaffen, in der das möglich ist. Wir sollten jetzt nicht nachlassen", sagte der Minister in der Redaktion der "Welt", für die Yücel als Türkei-Korrespondent gearbeitet hat.

Ein türkisches Gericht verurteilte am selben Tag sechs Journalisten und Medienangestellte zu lebenslangen Haftstrafen. Die Urteile fielen im selben Gebäude, in dem die Freilassung Yücels angeordnet wurde.

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(csr)