Debalzewe: Video zeigt Ausmaß der Zerstörung

Video zeigt Ausmaß der Zerstörung : In der Hölle des Donbass

Die Separatisten sind nach der Eroberung Debalzewes in Hochstimmung. Die ukrainischen Truppen ziehen ab – gedemütigt und erschöpft. Ein Video einer Hilfsorganisation zeigt das Ausmaß der Zerstörung in Debalzewe. Der Ort liegt in Schutt und Asche. Experten vor Ort zweifeln, ob sich die Rebellen damit zufrieden geben.

Die Separatisten sind nach der Eroberung Debalzewes in Hochstimmung. Die ukrainischen Truppen ziehen ab — gedemütigt und erschöpft. Ein Video einer Hilfsorganisation zeigt das Ausmaß der Zerstörung in Debalzewe. Der Ort liegt in Schutt und Asche. Experten vor Ort zweifeln, ob sich die Rebellen damit zufrieden geben.

Am Ende blieb nur die Flucht. Militärisch hoffnungslos unterlegen traten die ukrainischen Einheiten geordnet den Rückzug an. Das von vielen befürchtete Blutbad blieb aus, doch in der Erinnerung eingebrannt haben wird sich die Demütigung. 90 Prozent der Truppen sind inzwischen auf sicherem Gebiet, wie am Donnerstag ein Militärsprecher versicherte. Geschlagen, ausgemergelt und chancenlos.

Der Kommandant einer Freiwilligen-Einheit sprach von hohen Verlusten, die das ukrainische Militär in Debalzewe erlitten habe. Soldaten berichteten, die Belagerung der Stadt durch die Rebellen sei sehr intensiv gewesen. Während des unablässigen Beschusses hätten sie weder Wasser noch Essen bekommen können. Einige seien zu Fuß geflohen.

Die Soldaten, die den Ort Artemiwsk erreichten, wirkten erschöpft und müde. "Wir sind sehr glücklich, hier zu sein", sagte einer. "Wir haben die ganze Zeit gebetet und hundertmal mit unserem Leben abgeschlossen". Bei ihrer Ankunft stürzten viele der Soldaten in die Lebensmittelgeschäfte.

Mit einer Drohne filmte die ukrainische Hilfsorganisation "Armija SOS" offenbar das betroffene Gebiet. Aus der Luft sind in dem Film serienweise zerstörte Häuser zu sehen, vor allem aber dunkle Krater in einer verwüsteten Landschaft. Ob die bereits vor einigen Tagen entstandenen Bilder tatsächlich Gebiete von Debalzewe zeigen, lässt sich nicht zweifelsfrei überprüfen, doch Experten halten sie nach einem Vergleich mit Kartenmaterial für glaubwürdig.

Die Aufnahmen lassen erahnen, wie wenig von Debalzewe nach den erbitterten Gefechten übrig geblieben ist. Häusergerippe neben Trümmern, Auto- und Panzerwracks am Straßenrand, ein lebloser Ort verdeckt von Schnee und Schutt.

25.000 Menschen sollen hier einmal gewohnt haben. Die meisten sind geflohen. Einige tausend aber sollen geblieben sein, weil sie nicht wussten, wohin. Die Telefonverbindung ist abgerissen. "Es sind nur die geblieben, die alt sind und nirgendwohin konnten — und die Demoralisierten, die nirgendwo mehr hinwollten", zitiert Spiegel Online eine junge Ukrainerin, die erst vor wenigen Tage geflohen sein soll. Sie berichtet von grausigen Szenen, Leichenteilen auf der Straße, Toten in Militär- und Zivilkleidung.

Unabhängige Berichte aus dem Kriegsgebiet gibt es derzeit nicht. Die Separatisten lassen keine Journalisten nach Debalzewe. Dem Ukraine-Reporter des ZDF schwant bei der Liveschalte mit dem "heute-journal" angesichts solcher Umstände nichts Gutes. Er geht davon aus, dass die Rebellen die Stadt erst für Propagandazwecke herrichten wollen, so wie sie es ähnlich schon beim Flughafen von Donezk praktizierten. Dann, nach der Freigabe, solle der Weltöffentlichkeit vorgeführt werden, welches Unheil die Soldaten der Ukraine dort angerichtet hätten.

Der Westen klammert sich ans Abkommen von Minsk

Die westlichen Regierungen klammern sich trotz der kriegerischen Ereignisse von Debalzewe an das Abkommen von Minsk, das einen Waffenstillstand vorsieht. Begründung: An den anderen Orten des Krisengebietes sei es ruhig geblieben. Nun hoffen Merkel, Hollande, EU und USA darauf, dass auch um Debalzewe die Waffen endlich schweigen.

Doch die Ungewissheit ist groß. Weder Separatisten noch Kreml-Chef Wladimir Putin haben sich in den vergangenen Monaten als verlässliche Partner erwiesen. Sowohl für als auch gegen eine Beruhigung der Lage lassen sich Anhaltspunkte finden. So sprechen Experten, auch in Kiew, nach dem Fall Debalzewes von einer "Frontbegradigung" und halten es daher für wahrscheinlich, dass es im Donbass vorerst nicht zu neuen Gewaltexzessen kommt.

Dagegen spricht jedoch die klare militärische Überlegenheit der Separatisten. Nach den Erfolgen der vergangenen Wochen reiten sie auf einer Welle der Euphorie. Ob sie gerade in so einer Verfassung die Waffen niederlegen, um den weiteren Verlauf in die Hände von Diplomaten zu legen, erscheint zumindest fraglich. Auch ZDF-Reporter Roland Strumpf meldet angesichts von Rebellen in Hochstimmung Zweifel an.

Einer der pro-russischen Kämpfer sagte einem Reporter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf die Frage nach einem Waffenstillstand: "Dafür müssten sie erst aus der ganzen Region Donezk verschwinden." Zeitgleich zum Abzug der Truppen aus Debalzewe lief am Donnerstag eine Meldung aus London über die Nachrichtenticker: Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon forderte die Nato-Partner auf, sich auf die Gefahr einer russischen Aggression im Baltikum vorzubereiten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ukrainische Soldaten verlassen Debalzewe

(pst)