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Taliban kontrollierte das Gebiet: De Maizière besucht nordpakistanisches Swattal

Taliban kontrollierte das Gebiet : De Maizière besucht nordpakistanisches Swattal

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ist am Donnerstag von Islamabad aus zum nordpakistanischen Swattal geflogen.

Der zuvor geheim gehaltene Besuch führt in ein Gebiet, das zeitweise von Taliban und anderen islamistischen Gruppen kontrolliert wurde, bis diese im Jahr 2009 vom pakistanischen Militär verdrängt wurden. Am Morgen traf de Maizière zudem in Islamabad Pakistans Außenministerin Hina Rabbani Khar.

Die Einladung zu dem Besuch des Swattals mit einem pakistanischen Militärhubschrauber wertete de Maizière vor seinem Abflug als "eine große Geste des pakistanischen Militärs". Der Minister wollte sich dort einen Eindruck von der Lage in dem Gebiet machen, das überwiegend von der auch in Afghanistan ansässigen Volksgruppe der Paschtunen bewohnt wird. Dabei wollte er auch ein Reintegrationsprojekt besuchen, wo frühere islamistische Kämpfer einen Handwerksberuf erlernen können.

Die pakistanischen Taliban und ihre Verbündeten hatten im Swattal ähnlich wie früher in Afghanistan ein streng islamistisches Regime errichtet, wo sie Menschen steinigen ließen, die sich nicht an ihre Vorschriften hielten. Das pakistanische Militär griff mit einer groß angelegten Operation erst ein, nachdem die Taliban auch mit einem Vormarsch auf die etwa hundert Kilometer südöstlich gelegene Hauptstadt Islamabad gedroht hatten und drängten die Islamisten in heftigen Gefechten zurück.

Im vergangenen Jahr sorgte das Swattal erneut international wegen des Schicksals der damals 15-jährigen Schülerin Malala Yousafzai für Schlagzeilen. Das Mädchen, das sich in Internetblogs des britischen Senders BBC für Mädchenrechte in ihrer Heimat eingesetzt und Gräueltaten der Taliban angeprangert hatte, wurde in ihrem Schulbus von Taliban überfallen und lebensgefährlich verletzt. Sie wurde später zur Behandlung nach Großbritannien ausgeflogen. Eines ihrer Hauptanliegen ist das Recht auf Bildung für Mädchen.

Die zerklüfteten Gebirgslandschaften im Norden Pakistans sind ein Rückzugsraum auch für afghanische Taliban, die von dort aus auch mit Nachschub und Ausrüstung versorgt werden. Das Swattal ist nur rund 80 Kilometer von der Grenze entfernt. Auch wegen der Lage in seinen unruhigen Nordgebieten spielt Pakistan eine Schlüsselrolle für eine friedliche Lösung in Afghanistan.

Um das Verhältnis der beiden Nachbarländer ging es auch in dem Gespräch de Maizières am Morgen in Islamabad mit der pakistanischen Außenministerin. "Es gab eine lange Tradition von Misstrauen", sagte de Maizière anschließend zum Verhältnis zwischen den beiden Nachbarstaaten. Inzwischen gebe es erste Schritte hin zu mehr Vertrauen, "es gibt aber auch Rückschläge".

"Ich habe alle Seiten ermuntert, diesen Weg weiterzugehen", sagte de Maizière mit Blick auf den stockenden Annäherungsprozess. Derzeit sei "die Zeit günstig", aber auch knapp für eine Versöhnung. Objektiv habe Pakistan ein Interesse an einem stabilen Afghanistan, ebenso umgekehrt. Es könnte sein, dass auch Gruppen der Taliban "ein Interesse daran haben, zu geordneten Verhältnissen zu kommen", äußerte sich de Maizière positiv zu diesbezüglichen Vermittlungsansätzen Katars.

De Maizière war am Mittwoch in Pakistan eingetroffen. Er kam aus Afghanistan, wo er deutsche Soldaten in Masar-i-Scharif und in dem Stützpunkt OP North besucht hatte. Außerdem hatte der Minister politische Gespräche in der Hauptstadt Kabul geführt.

(AFP/nbe)