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David McAtee: Koch in Kentucky von Nationalgarde erschossen

David McAtee : Koch in Kentucky von Nationalgarde erschossen

Erneut ein Fall von staatlicher Gewalt: Im US-Staat Kentucky ist ein Koch Ermittlern zufolge von der Nationalgarde erschossen worden. Der Anwalt der Familie fordert die Freigabe aller Videos.

Ein Koch ist in der US-Stadt Louisville nach dem Abfeuern seiner Waffe von einem Mitglied der Nationalgarde erschossen worden. David McAtee sei am 31. Mai beim Kochen mehrere Kilometer von Protesten gegen rassistische Polizeigewalt entfernt an seinem Restaurant tödlich getroffen worden, teilte J. Michael Brown, Sekretär des Exekutivkabinetts des Staates Kentucky, am Dienstag mit. „Es ist klar, dass der tödliche Schuss von der Nationalgarde kam“, sagte Brown. „Wir haben keinen Zweifel daran.“

Die Polizei von Louisville und Nationalgardisten hatten Brown zufolge auf einen Bericht über eine Menschenansammlung in der Gegend reagiert. Auf einem Video der Polizei von Louisville waren Beamte zu sehen, die Pfeffergeschosse dort abgaben, wo McAtee draußen kochte. Brown sagte, er glaube, dass McAtee als erster mit scharfer Munition geschossen habe. „Ich glaube McAtee feuerte den ersten Schuss, wartete, und feuerte dann einen weiteren Schuss“, sagte Brown. Die Nationalgarde habe die Schüsse erwidert, „was jeder Polizist in dem Fall tun würde“.

McAtee wurde einmal in die Brust getroffen und starb vor Ort. Ermittler fanden Brown zufolge zwei Patronenhülsen von McAtees Waffe und Rückstände von Schüssen an seinem Körper.

Die Polizei von Kentucky habe Granatsplitter, sogenanntes Schrapnell, von McAtees Leiche untersucht, das auf die Gewehre der Nationalgarde passe. Zwei Nationalgardisten hätten sich in der Nähe von gefundenen Patronenhülsen aufgehalten, die Granatsplitter von McAtees Leiche seien jedoch nicht einer bestimmten Waffe zuzuordnen gewesen. Untersuchungen der Patronenhülsen ergaben jedoch, dass der tödliche Schuss nicht von Beamten der Polizei von Louisville abgefeuert wurde.

Die Nationalgarde der USA besteht aus Reservisten. Sie wurde zuletzt in vielen US-Städten eingesetzt, um die Ausschreitungen einzudämmen. In Louisville sollte sie bei der Durchsetzung einer Ausgangssperre helfen. Auch in Louisville war nach dem Tod von George Floyd in Polizeigewalt in Minneapolis und dem Tod von Breonna Taylor aus Louisville gegen rassistische Polizeigewalt demonstriert worden. Taylor war im März von Polizisten bei der Durchsuchung ihres Hauses erschossen worden.

Das Video der Polizei von Louisville zeigt augenscheinlich, wie McAtee aus der Tür seines Restaurants schießt, während Beamte Projektile abfeuern. Ein Video einer anderen Kamera zeigt, wie ein Getränkebehälter auf einem Tisch außerhalb des Gebäudes explodiert und auf den Boden fällt, kurz bevor Rauch aus dem Inneren des Gebäudes dringt, in dem McAtee stand.

Der Anwalt der Familie McAtee, Steve Romines, forderte am Montag, die Ermittler sollten alle Videos in Verbindung mit den Schüssen veröffentlichen. Die Beamten sollten Verantwortung übernehmen und sich für den Einsatz von Gewalt entschuldigen. McAtees Nichte sei mehrfach von Pfeffergeschossen getroffen worden, als sie in der Tür des Restaurants gestanden habe.

Die Polizei von Louisville ermittelt ebenfalls. Verfügbare Videos würden Bild für Bid ausgewertet, so Brown. Der Bürgermeister der Stadt Louisville, Greg Fischer, entließ den Polizeichef Steve Conrad, weil die Beamten ihre Bodycams während des Einsatzes nicht laufen hatten.

(peng/dpa)