US-Senator Edward Kennedy gestorben: Das tragische Ende des liberalen Löwen

US-Senator Edward Kennedy gestorben: Das tragische Ende des liberalen Löwen

Boston (RPO). Er galt als Idol der Liberalen und vehementer Kämpfer für soziale Rechte. Sein Leben war geprägt von schweren Schicksalsschlägen, aber auch Erfolgen. Für US-Präsident Obama war Edward "Teddy" Kennedy der "größte Senator unserer Zeit". Im Alter von 77 Jahren erlag der jüngste Bruder des Ex-Präsidenten John F. Kennedy einem Gehirntumor. Sein letztes großes Versprechen konnte der Mann aus Boston aber noch erfüllen.

Über 40 Jahre und acht volle Amtszeiten im Kongress brachten Kennedy den Spitznamen "Löwe des Senats" ein. Er wurde in beiden politischern Lagern geschätzt, "Teddy" eignete sich den Ruf als Brückenbauer zwischen Demokraten und Republikanern an. Zuletzt war er hinter Robert Byrd der zweitdienstälteste Senator.

Als Ikone der Liberalen machte er sich vor allem in der Sozialgesetzgebung verdient. Auch in der Einwanderungspolitik und bei den Rechten für Minderheiten drängte Kennedy auf Reformen. Er war ein entschiedener Gegner des Kriegs im Irak und einer der schärfsten Kritiker des Republikaners George W. Bush.

Die Partei lag Kennedy stets am Herzen. 2004 unterstützte er seinen Parteikollegen John Kerry bei dessen Präsidentschaftskandidatur gegen Bush - obwohl der Senator anders als Kennedy für den Irakkrieg votiert hatte. Kerry verlor deutlich, Bush konnte seine zweite Amstzeit antreten.

Bei den Vorwahlen 2008 stellte sich der Politiker hinter Shooting-Star Barack Obama, in dem er nach eigener Aussage Züge seines verstorbenen Bruders John F. Kennedy sah. Bei zahlreichen Auftritten zeigte er sich an der Seite des Senators von Illinois, der am Ende den Sprung ins Oval Office schaffte.

Anfänge als Senator

Edward Kennedys politische Karriere hatte begonnen, als sein älterer Bruder John F. Kennedy bereits auf dem Zenit der Macht angekommen war. 1962 wurde "Teddy" mit nur 30 Jahren zum Senator seines Heimatstaats Massachusetts gewählt - er sollte die Amtszeit beenden, die "JFK" durch seine Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten 1960 hatte abbrechen müssen.

Der Harvard-Absolvent schien eine große Zukunft vor sich zu haben. Doch es folgten eine Reihe von Schicksalsschlägen für den Kennedy-Clan. "Teddys" Bruder John F. Kennedy wurde im November 1963 in Dallas bei einer Fahrt im offenen Wagen von Unbekannten erschossen.

Ein Jahr später verletzte sich Edward Kennedy bei einem Flugzeugabsturz schwer - er erholte sich zwar, musste aber sein Leben lang mit schweren Rückenschmerzen kämpfen.

Attentat auf Bruder Robert

Ins ganz große Rampenlicht rückte "Teddy" noch nicht, sein Bruder Robert "Bobby" Kennedy schickte sich an, das politische Erbe des Familien-Clans anzutreten. 1968 kämpfte der frühere Justizminister und Senator bei den Präsidentschaftsvorwahlen um die Nominierung seiner Partei.

Schärfster Konkurrent war der demokratische Senator Eugene McCarthy. Vieles hing am 4. Juni 1968 von den Vorwahlen in Kalifornien ab. Kennedy benötigte unbedingt einen Sieg - und eroberte den Westküstenstaat tatsächlich. Die Freude bei seinen Anhängern war grenzenlos - das Tor zum Weißen Haus schien weit aufgestoßen. Doch unmittelbar nach seiner Dankesrede im "Hotel Ambassador" von Los Angeles wurde Kennedy auf dem Weg durch die Küche vom palästinensischen Einwanderer Sirhan Bishara Sirhan angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Einen Tag später erlag "Bobby" seinen Verletzungen.

Eine Nation im Schockzustand wandte sich an Edward Kennedy. Als großer Hoffnungsträger sollte er die politischen Visionen seiner Brüder realisieren. Doch "Teddy" lehnte es sowohl 1972 als auch 1976 ab, seinen Hut für eine Präsidentschaftskandidatur in den Ring zu werfen. Offiziell erklärte er, seine Familie habe ihm dazu geraten - denn schließlich seien seine Brüder im Amt erschossen worden.

  • Fotos : Edward "Ted" Kennedy - Bilder eines Lebens

Mysteriöser Autounfall

Doch es stecke wohl noch etwas Anderes hinter dem Zögern des jüngsten von neun Kennedy-Sprösslingen. Denn am 18. Juli 1969 war Kennedy in den sogenannten "Chappaquiddick-Vorfall" verwickelt gewesen. Bei einem Ausflug auf der Insel Chappaquiddick hatte er die Kontrolle über seinen Wagen verloren und war von einer Brücke in einen Gezeitenkanal gestürzt. "Teddy" konnte sich retten, doch seine Beifahrerin - die 29-jährige Sekretärin und Wahlkampfhelferin Mary Jo Kopechne - ertrank im gesunkenen Fahrzeug.

Kennedy hatte den Unfallort verlassen und erst zehn Stunden später die Polizei gerufen. Für Kopechne kam somit jede Rettung zu spät. Seither kursierten Gerüchte, Kennedy sei betrunken am Steuer gewesen und habe seine politische Karriere nicht aufs Spiel setzen wollen. Das alles ist jedoch Spekulation. Kennedy beteuerte, er habe mehrfach vergeblich versucht, im Dunkeln nach seiner Beifahrerin zu greifen und sei später auch zum Wrack getaucht.

Letztlich bekannte er sich vor Gericht des unerlaubten Entfernens vom Unfallort schuldig und wurde am 25. Juli zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Einer Anklage wegen Totschlags konnte er jedoch entgehen.

Niederlage bei Kandidatur 1980

Erst 1980 ließ sich Kennedy überreden, einen Anlauf auf das Weiße Haus zu unternehmen. Bei den Vorwahlen der Demokraten unterlag er jedoch Amtsinhaber Jimmy Carter - der Traum vom Oval Office war geplatzt. Dafür versuchte er in der Folge stets, seinen Parteikollegen - zuletzt John Kerry und Barack Obama - den Weg an die Macht zu ebnen.

Im Mai 2008 wurde bei Kennedy ein bösartiger Hirntumor entdeckt, die Ärzte gaben ihm nur noch wenige Monate zu leben. Doch Kennedy versprach Barack Obama, bei dessen Amtseinführung dabei zu sein. Der zu diesem Zeitpunkt 76-Jährige hielt sein Wort und kam zur Vereidigung im Januar 2009. Doch beim anschließenden Bankett im Kongressgebäude brach Kennedy zusammen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Ernennung zum Ritter durch Gordon Brown

Der Senator erholte sich noch einmal. Am 4. März 2009 ernannte ihn Großbritanniens Premier Gordon Brown für seine Verdienste um den Friedensprozess in Nordirland und die Bemühungen um die us-britischen Beziehungen zum Ritter. Zudem wurde Kennedy von Präsident Obama mit der Presidential Medal of Freedom geehrt.

Edward Kennedy lebte gemeinsam mit seiner zweiten Frau Victoria Reggie, die er 1992 geheiratet hatte, und seinen zwei Stiefkindern Grier Curran Raclin und Caroline Raclin aus ihrer ersten Ehe in Hyannis Port, Massachusetts. Aus seiner ersten Ehe mit Virginia Joan Bennett, von der er sich 1982 nach 24 Jahren scheiden ließ, hatte er drei bereits erwachsene Kinder namens Kara, Edward jr. und Patrick.

Am 26. August erlag Kennedy seinem Krebsleiden. "Wir haben das unersetzliche Zentrum unserer Familie verloren", hieß es in einer Erklärung der Familie. "Wir danken allen, die ihn im vergangenen Jahr geholfen und unterstützt haben."

Erst Anfang August war Edward Kennedys Schwester Eunice Kennedy Shriver gestorben. Die Vorkämpferin für die Akzeptanz von Behinderten war 88 Jahre alt geworden. Von den insgesamt neun Geschwistern lebt jetzt nur noch Jean Kennedy Smith.

(asl/afp)