Inselstreit mit Japan: Darum rasselt China mit dem Säbel

Inselstreit mit Japan : Darum rasselt China mit dem Säbel

Im Streit mit Japan im Ostchinesischen Meer hat China Kampfflugzeuge in die Konfliktregion entsandt – und verschärft damit die Stimmung. Eigentlich geht es nur um eine Handvoll unbewohnter Felseninseln im Ostchinesischen Meer – doch der Streit zwischen China und Japan hat eine lange Geschichte. Es geht um Fischvorkommen, um vermutete Bodenschätze und auch um historisch geprägte Gegebenheiten.

Im Streit mit Japan im Ostchinesischen Meer hat China Kampfflugzeuge in die Konfliktregion entsandt — und verschärft damit die Stimmung. Eigentlich geht es nur um eine Handvoll unbewohnter Felseninseln im Ostchinesischen Meer — doch der Streit zwischen China und Japan hat eine lange Geschichte. Es geht um Fischvorkommen, um vermutete Bodenschätze und auch um historisch geprägte Gegebenheiten.

Erst richtete China eine Luftverteidigungszone ein, dann reagierten Japan, Südkorea und die USA mit demonstrativen Überflügen. Und nun entsandte China mehrere Kampfjets und ein Aufklärungsflugzeug zur Patrouille in die neue Verteidigungszone. Damit spitzt sich der Streit um die sowohl von Japan als auch von China beanspruchte Inselgruppe erneut zu. Denn die chinesischen Jets verfolgten die japanischen und US-Maschinen.

Der Streit schwelt schon seit Jahrzehnten, im vergangenen Jahr war er hochgekocht. Nun verschärfte sich die Situation erneut. Nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik ist Japan verantwortlich für den erneuten Inselstreit. "Dieser Konflikt hat eigentlich dadurch begonnen, dass Japan den ersten Schritt gemacht hat mit dem symbolischen Versuch des privates Ankaufs von einigen dieser Inseln durch einen rechtsgerichteten japanischen Politiker", sagte der Direktor der Gesellschaft, Eberhard Sandschneider, am Freitag im Deutschlandfunk. Aber was liegt dem Konflikt eigentlich zugrunde?

Schon 2012 flammte der Streit auf

Die von den Japanern Senkaku und den Chinesen Diaoyu genannten Inseln liegen 200 Kilometer nordöstlich von Taiwan. Seit Chinas Niederlage im chinesisch-japanischen Krieg 1895 standen sie unter der Kontrolle Tokios. Nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA verwaltet, gingen sie mit der Rückgabe der Souveränität Okinawas 1972 wieder an Japan.

Da China jedoch alte Ansprüche auf das Territorium geltend macht, kommt es immer wieder zum Streit. Denn aus Sicht Pekings waren die USA aus historischen Gründen gar nicht berechtigt, die Inselgruppe an Japan zurückzugeben. Peking verweist auf Karten aus der Ming-Zeit (1368-1644), die nachwiesen, dass die Inselgruppe schon damals zu China gehöre. Angesichts großer Fischbestände und vermuteter Gas- und Ölvorkommen sind die Inseln auch von strategischer Bedeutung.

Der Streit flammt 2012 neu auf, als Japans Regierung drei Insel von privater Hand kaufte. Damit wollte Tokio nach eigenen Angaben verhindern, das nationalistische Kräfte sie erwerben. Die Heftigkeit der chinesischen Reaktion wurde aber unterschätzt. In China kam es zu großen anti-japanischen Demonstrationen. Der Streit riss alte Wunden über die japanische Aggression im Zweiten Weltkrieg in China auf. Seither wird Japan als Erzfeind gesehen-

Auch Streitigkeiten im Südchinesischen Meer

Aber China erhebt nicht nur Ansprüche auf diese Inseln. Auch im Südchinesischen Meer, wo wichtige Schifffahrtswege verlaufen, gibt es Streit um Inseln fernab von Chinas Küste. Teile des Seegebiets, vor allem die Spratly- sowie die Paracel-Inseln, werden aber ebenso von den Asean-Mitgliedern Vietnam, Brunei, Malaysia und den Philippinen beansprucht. Auch dort soll es reiche Öl- und Gasvorkommen geben. Und die Länder dort befürchten, dass China auch dort eine Flugverteidigungszone einrichten könnte.

"Der Auftakt war nicht gut für China, weil der Eindruck entstand, dass China ein Papiertiger ist, nachdem keine entsprechenden Gegenmaßnahmen ergriffen worden waren", sagt Professor Cheng Xiaohe von der Volksuniversität der Nachrichtenagentur dpa über den Streit. "Jetzt arbeitet Peking daran, schickt Kampfjets auf Patrouille. Es ist eine Demonstration der Souveränität." Der Experte für internationale Beziehungen ist überzeugt, dass China von sich aus keinen militärischen Konflikt wolle, ihm aber auch nicht ausweichen werde.

Hinter dem Streit sieht der amerikanische China-Experte Gordon Chang noch andere Gründe. "Wegen innenpolitischer Probleme, besonders durch die schwache Wirtschaft, fallen Chinas Führer in den Nationalismus zurück, um ihre Legitimität zu stärken", sagte Chang. "Aus ihrer Sicht gibt es kein besseres Ziel als die Japaner."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Japan und China streiten um kleine Inseln

(dpa/rtr/das)
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