Damaskus: Syrische Regierung bestreitet den Einsatz von Giftgas

Nach Drohung von US-Präsident Trump : Syrische Regierung bestreitet den Einsatz von Giftgas

Mehr als 80 Menschen waren am Dienstag bei einem mutmaßlichen Giftgasangriff in Nordsyrien ums Leben gekommen. Präsident Assads Regierung hat den Einsatz von Chemiewaffen nun bestritten – trotz türkischen Berichten über Nachweise von Chlorgas bei Autopsien.

Mehr als 80 Menschen waren am Dienstag bei einem mutmaßlichen Giftgasangriff in Nordsyrien ums Leben gekommen. Präsident Assads Regierung hat den Einsatz von Chemiewaffen nun bestritten — trotz türkischen Berichten über Nachweise von Chlorgas bei Autopsien.

"Ich betone, dass wir diese Art von Waffen nicht eingesetzt haben und nicht einsetzen werden, weder gegen Zivilisten noch gegen Terroristen", sagte Außenminister Walid al-Muallim am Donnerstag in Damaskus. Er bekräftigte Angaben Russlands, dass die syrische Luftwaffe in dieser Woche in der Stadt Chan Scheichun ein Lager mit Chemiewaffen von "Terroristen" bombardiert habe.

In dem Ort im Nordwesten Syriens waren am Dienstag Aktivisten zufolge mindestens 86 Menschen durch Einwirkung von Giftgas ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Die syrische Opposition und Augenzeugen sprechen von einem Angriff der Regierungstruppen mit Chemiewaffen. Auch die USA und andere westliche Regierungen werfen der Regierung in Damaskus vor, dafür verantwortlich zu sein.

Autopsien von drei Leichen bestätigten nach Angaben der türkischen Regierung den Einsatz von Chemiewaffen. Nach dem Vorfall waren rund 30 Verletzte in die Türkei gebracht worden. Die türkische Ärzte-Vereinigung erklärte, Mediziner hätten bei Patienten festgestellt, dass es sich um Chlorgas gehandelt habe. Dessen Besitz ist nicht verboten, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt wird.

US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, für ihn seien "eine ganze Reihe von Linien überschritten worden". Zugleich drohte er an, dass dieser "Affront des Assad-Regimes gegen die Menschlichkeit nicht toleriert werden kann". Trump sagte nicht, wie eine Antwort der USA aussehen könnte. Er deutete militärische Schritte nur an. Eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates blieb am Mittwoch ohne Ergebnis.

Al-Muallim erklärte, der Angriff der syrischen Luftwaffe sei am Dienstag gegen 11.30 Uhr am Vormittag erfolgt. Zahlreiche Bilder von Opfern sowie Berichte von Aktivisten hatten jedoch schon mehrere Stunden vorher in den sozialen Medien kursiert. Augenzeugen aus Chan Scheichun berichteten zudem von Luftangriffen am Dienstagmorgen.

Terroristen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und Al-Kaida-nahe Milizen lagerten weiter Chemiewaffen in Städten und bewohnten Gebieten, erklärte Al-Muallim weiter. Diese seien vom Irak und von der Türkei aus nach Syrien gebracht worden. Der Chor, der jetzt international angestimmt werde, komme von Staaten, die sich gegen Syrien verschworen hätten, sagte der Außenminister.

Eine internationale Untersuchungskommission der UN beurteilte Al-Muallim skeptisch. Syriens Erfahrungen mit solchen Kommissionen seien nicht ermutigend gewesen.

Die Situation von Notleidenden in Syrien wird nach Angaben der UN immer dramatischer. Allein in der Region Ost-Ghuta nahe Damaskus seien 400 000 Menschen von Regierungstruppen eingeschlossen, sagte UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland in Genf. Die Bewohner Ost-Ghutas hätten kaum noch Lebensmittel und Medikamente. Krankenhäuser seien durch Bombardierungen zerstört. Die UN forderte eine Waffenpause von 72 Stunden, um lebensnotwendige Hilfsmittel ausliefern zu können.

(isw/dpa)