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Coronavirus: USA und China bezeichnen sich gegenseitg als Urspungsland

Gegenseitige Schuldzuweisungen : China oder USA – wo liegt der Ursprung des Coronavirus?

Die USA und China schieben sich gegenseitig die Schuld an der weltweiten Corona-Pandemie zu. Die einen sagen, es sei das „Wuhan-Virus", für die anderen wurde es vom US-Militär eingeschleppt.

Zwischen den USA und China ist ein heftiger Streit über die Herkunft des neuartigen Coronavirus entbrannt - und damit über die Verantwortung für die Pandemie. Washingtons Bezeichnung des neuartigen Erregers als "Wuhan-Virus" sorgte für empörte Reaktionen aus Peking. Gleichzeitig verbreiten chinesische Regierungsvertreter Zweifel daran, dass das Virus in der Millionenstadt Wuhan seinen Ausgang nahm.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, ging am Donnerstag noch einen Schritt weiter: Ohne Angabe von Belegen erklärte er auf Twitter, das Virus könnte vom "US-Militär nach Wuhan gebracht" worden sein.

Am Freitag veröffentlichte Zhao dann einen Link zu einer Website, die mit Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bekannt geworden war: Sie zeigt ein Video, in dem ein Vertreter der US-Gesundheitsbehörden berichtet, bei einigen Grippe-Toten in den USA sei postum die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 diagnostiziert worden.

Das Video hatte zuvor bereits in chinesischen Online-Netzwerken für Aufsehen gesorgt: Einige Nutzer sahen darin einen Beweis für den US-Ursprung des Virus. Obwohl Chinas Zensoren normalerweise die Verbreitung von Gerüchten strikt ahnden, schritten sie diesmal nicht ein. Der Politikwissenschaftler Dali Yang von der University of Chicago ist zudem überzeugt, dass Zhao seine Tweets in seiner "offiziellen Funktion" schrieb.

Dazu befragt, ob Zhao die Meinung der Regierung vertrete, vermied sein Außenamts-Sprecherkollege Geng Shuang am Freitag vor Journalisten eine Festlegung. "Die internationale Gemeinschaft, darunter Menschen in den USA, haben unterschiedliche Sichtweisen auf den Ursprung des Virus", sagte er lediglich.

Die Strategie, den Ursprung der neuartigen Lungenkrankheit in Wuhan in Frage zu stellen, widerspricht Pekings eigener ursprünglicher Einschätzung: Im Januar hatte der Chef des staatlichen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten, Gao Fu, verkündet, das Virus sei aller Wahrscheinlichkeit nach von illegal auf einem Fischmarkt in Wuhan verkauften Wildtieren auf den Menschen übergesprungen. Diese Einschätzung wird auch von internationalen Seuchenexperten geteilt.

Ende Februar begann Peking dann, Zweifel an dieser Ursprungs-Theorie zu säen. Ein Experte der Nationalen Gesundheitskommission, Zhong Nanshan, sagte damals vor Journalisten, zwar sei die Epidemie zuerst in China aufgetreten, doch bedeute das nicht unbedingt, dass sie auch "ihren Ursprung in China" gehabt haben müsse.

Nach Einschätzung des China-Experten Yun Jiang von der Australian National University versucht Peking mit dem Schwenk, "einen Teil der Schuld für den Ausbruch der Epidemie abzuwälzen", indem es "in den Köpfen der Menschen Zweifel am Ursprung des Virus sät". Derzeit stellt sich Peking darüber hinaus vor allem als das Land dar, das dank seiner drastischen Maßnahmen der Welt Zeit verschafft habe, sich besser auf den Kampf gegen das Virus vorzubereiten.

Die USA wiederum lassen kaum eine Gelegenheit aus, das neuartige Coronavirus direkt mit China in Verbindung zu bringen: US-Außenminister Mike Pompeo nannte es das "Wuhan-Virus", US-Präsident Donald Trump wies am Mittwoch in seiner Fernsehansprache zu der Epidemie ausdrücklich darauf hin, dass der "Ausbruch in China" begann.

Forscher Yun Jiang sieht diese Aussage als ein Beispiel des typischen Ansatzes der US-Regierung, sich mit ihren Botschaften vor allem an Trumps Anhänger zu wenden sowie von eigenen Unzulänglichkeiten im Kampf gegen das Virus abzulenken.

So macht auch der Nationale Sicherheitsberater Robert O'Brian China für die Pandemie verantwortlich. Er warf den chinesischen Behörden vor, das Auftreten des Virus am Anfang vertuscht zu haben. Durch die seiner Meinung nach mangelnde Kooperationsbereitschaft Pekings sei wertvolle Zeit verloren gegangen, um eine weltweite Ausbreitung zu verhindern. Vergeblich protestierte Peking immer wieder gegen solche "abscheulichen" und "politisch motivierten" Schuldzuweisungen.

Die WHO mahnt derweil zur Zurückhaltung: Infektionskrankheiten sollten grundsätzlich nie in einer Weise benannt werden, dass sie zu Diskriminierungen gegen ethnische Gruppen führen könnten, betonte die Weltgesundheitsorganisation.

(kron/AFP)