CIA-Bericht bei Wikileaks veröffentlicht - Das Handbuch des Tötens

Wikileaks-Veröffentlichung : CIA-Bericht: Das Handbuch des gezielten Tötens

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat einen geheimen CIA-Bericht veröffentlicht, der sich mit den Auswirkungen von gezielten Tötungen beschäftigt. Das Dokument liest sich wie eine neutrale betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse, doch es geht nicht um Investitionen, sondern um den Tod.

Der nun veröffentlichte CIA-Bericht mit dem Namen "Making High-Value Targeting Operations an Effective Counterinsurgency Tool" (sinngemäß "Wie man gezielte Tötungen als effektives Mittel im Geheimdienst nutzt") ist eine interne Studie, die systematisch die Vor- und Nachteile von Auftragstötungen analysiert. Sie stellt die Frage, wann es angebracht ist, einzelne Terroristen oder ganze Netzwerke umzubringen. In der Geheimdienstsprache wird von der "Entfernung" von Personen gesprochen. Vor allem neun Faktoren stechen dabei hervor, fünf beschreiben positive Effekte, vier die negativen Effekte.

Als positive Effekte einer gezielten Tötung sieht die CIA:

Negative Effekte seien:

Der Bericht wurde im Juli 2009 im Auftrag des damaligen CIA-Direktors Leon Panetta erstellt, wenige Monate bevor US-Präsident Barack Obama im Kampf gegen die Taliban und Al Qaida eine Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan anordnete. Nach dem Folterbericht des US-Senats, der Anfang Dezember veröffentlicht wurde, ist es der zweite Bericht in diesem Monat, der die Diskussionen über die Arbeit der CIA anheizt.

Kolumbien als "best practice"

Als erfolgreiches Beispiel wird im Bericht die Tötung führender Mitglieder der kolumbianischen Rebellengruppe FARC durch die kolumbianische Regierung genannt. Im Jahr 2008 habe die CIA Finanziers und Organisatoren der linksgerichteten Guerillabewegung getötet. Nach Angaben des Geheimdienstes sei nach der Aktion der Zuspruch für die kolumbianische Regierung deutlich gestiegen. Die FARC führt unter anderem einen Kampf gegen das Militär wie auch gegen rechtsgerichtete Drogenkartelle.

In einer Tabelle wird das Für und Wider der gezielten Tötung an einigen Beispielen analysiert. Foto: Wikileaks/CIA

Tötung von Al-Qaida-Mitgliedern war kein Erfolg

Als gescheiterte Aktionen wertet die CIA die Tötung zahlreicher Al-Qaida-Führer in Afghanistan. Nach den Maßstäben der CIA, hätten sie jedoch eine logische Konsequenz sein können. Weil der Al-Qaida-Chef Osama bin Laden die Kommunikation mit seinen Anhängern auf ein Minimum reduzierte, seien Zugriffe mit einer Festnahme kaum möglich gewesen. Doch habe die Terrogruppe bereits nach dem 11. September 2001 eine Dezentralisierung angestoßen. Neben bin Laden gab es viele lokale Führer, die Organisation konnte sich auch dem Tod von Mitgliedern immer wieder neu aufstellen.

Berichte von Terrorexperten stützen diese Einschätzung. So schrieb der Autor Yassin Musharbash schon 2006 in seinem Buch "Die neue Al-Qaida", dass die Terrorgruppe sich nicht nur auf einen Führer verlassen wollte. Anschläge seien nicht zwingend von bin Laden oder anderen führenden Köpfen befohlen worden. In einigen Fällen hatten sogar Einzeltäter einen Anschlag verübt und sich zu Al Qaida bekannt, ohne Kontakte zur Gruppe gehabt zu haben. In solch einem Szenario wirkt eine gezielte Tötung nicht als Allheilmittel zur Schwächung einer Terrororganisation. Vor diesem Hintergrund ist auch fraglich, warum es 2011 den Befehl zu der Aktion gegen Osama bin Laden gab, an deren Ende seine Tötung stand.

Die CIA führt in ihrem Bericht noch weitere gescheiterte Tötungsaktionen auf. Dabei verweist sie unter anderem auf Israel. Die Tötung des Hamas-Mitgliedes Abdel Aziz al-Rantisi habe dazu geführt, dass der Zuspruch der Bevölkerung für die palästinensische Organisation noch mehr gestiegen sei. Grund dafür sei, dass die Gruppe mit einer eignenen Krankenversorgung und guter Organisation bereits tief in der Gesellschaft verwurzelt sei.

(ac)
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