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Intervention in Syrien: Chemiewaffen - international geächtet

Intervention in Syrien : Chemiewaffen - international geächtet

Deutsche setzten 1915 bei Ypern erstmals großflächig chemische Waffen ein.

Die zahlreichen Soldatenfriedhöfe rund um das belgische Städtchen Ypern strahlen auch fast 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs eine bedrückende Düsternis aus. Der Name der flandrischen Stadt steht für den ersten großen Chemiewaffeneinsatz der Geschichte: Am 22. April 1915 blies das XV. deutsche Armeekorps in Ypern 150 Tonnen Chlorgas auf die französischen Stellungen. Schwerer als Luft senkte sich das Gas in die Schützengräben — 1200 bis 5000 Franzosen erstickten qualvoll.

Im Ersten Weltkrieg wurden chemische Kampfstoffe perfektioniert. Geschätzt 100 000 Soldaten starben durch sie, weitere 1,2 Millionen erlitten Verätzungen oder erblindeten. Zunächst wurden vorhandene Stoffe wie Chlor, Phosgen oder Blausäure verwendet. Schnell erkannte man, das in Wolken verblasenes Gas schwer zu handzuhaben war und entwickelte flüssigem Kampfstoff für Sprühangriffe. Dem Arsenal des Grauens wurden aus Insektenvernichtungsmitteln entwickelte Nervenkampfstoffe hinzugefügt, die nicht zu riechen oder zu schmecken sind. Die Opfer ersticken langsam oder gehen an Muskelzuckungen zugrunde.

Im Zweiten Weltkrieg setzte nur Japan solche Massenvernichtungswaffen gegen China ein. Trotz großer C-Waffen-Bestände, die heute teilweise auf dem Grund der Ostsee liegen, verzichtete das Hitler-Regime auf deren Einsatz. Später setzte vor allem der Irak Chemiewaffen ein. Rund 100 000 iranische Soldaten sollen im Krieg Anfang der 1980er Jahre dadurch umgekommen sein. Für besonderes Entsetzen sorgte am 16. März 1988 ein irakischer Luftangriff unter anderem mit Senfgas auf die von Kurden bewohnte irakische Stadt Halabdscha. Bis zu 5000 Menschen starben.

Chemiewaffen sind durch die UN-Konvention vom 3. September 1992 offiziell geächtet. 189 Staaten haben den Vertrag unterzeichnet, Syrien allerdings nicht. Es wird verdächtigt, rund 1000 Tonnen Chemie-Kampfstoffe zu besitzen, die mit Artillerie verschossen oder mit Raketen ins Ziel gebracht werden können.

Deshalb sind die Beobachtungen der UN-Inspektoren von großem Interesse: Reste von Granaten lassen auf die syrische Armee schließen, Rebellen könnten einen Gasangriff mit selbstgemixten Giftstoffen in Ampullen vorgetäuscht haben, die wie Tränengasgranaten zum Beispiel mit Gewehren abgefeuert oder einfach geworfen werden.

(RP)