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Charkiw: Mindestens drei Tote durch Explosion

Maidan-Gedenkmarsch in der Ostukraine : Mindestens drei Tote - Kiew spricht von Terrorakt

Bei einer Explosion während eines Gedenkmarsches in der ostukrainischen Stadt Charkow sind am Sonntag mindestens drei Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Die ukrainische Regierung spricht von einem Terrorakt.

Das ukrainische Innenministerium sprach von einem "Terrorakt". Die Explosion sei durch einen "nicht bekannten Sprengstoff" verursacht worden, hieß es weiter. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

In Kiew und anderen Städten der Ukraine wird am Sonntag der Maidan-Proteste vor einem Jahr gedacht, die zum Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch geführt hatten. Der Zwischenfall habe sich während einer Gedenkveranstaltung für Soldaten ereignet, die gegen prorussische Separatisten kämpfen, berichtete der Fernsehsender "112" am Sonntag. Augenzeugen sagten dem Sender, die Verletzten seien bei einem Marsch in den vorderen Reihen gegangen.

Unterdessen hat hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vor dem Treffen der Außenminister Russlands, Frankreichs, der Ukraine und Deutschlands am Dienstag von Russland mehr Druck auf die Separatisten in der Ostukraine gefordert. Steinmeier appellierte in der "Bild"-Zeitung an seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow, im Sinne des Minsker Abkommens tätig zu werden. Es gebe erste Anzeichen dafür, "dass es wenigstens zu einer gewissen Entspannung kommen könnte", sagte Steinmeier.

"Beide Seiten haben endlich Gefangene ausgetauscht und sind offenbar bereit, mit dem Abzug der schweren Waffen zu beginnen, noch nicht überall, aber an wichtigen Stellen der Front - das alles ist Teil der Minsker Vereinbarungen", betonte der Bundesaußenminister. Es komme jetzt darauf an, dass die Separatisten ihre militärischen Aktivitäten einstellen. "Es ist die Aufgabe Moskaus, hier auf die Separatisten weiter Druck auszuüben", sagte Steinmeier. Das habe er Lawrow auch in den vielen Telefonaten der vergangenen Tage gesagt.

Auf die Frage, wo für ihn die Rote Linie verlaufe, sagte Steinmeier: "Was die Linien angeht: Die sind in Minsk gezogen. Ein Vorrücken auf Mariupol würde eindeutig gegen die Vereinbarungen verstoßen und ließe ihre Geschäftsgrundlage entfallen." Um die ukrainische Küstenstadt, die von regierungstreuen Einheiten kontrolliert wird, lieferten sich Armee und Rebellen bis Mitte Februar erbitterte Gefechte.

Vor zehn Tagen hatten Kiew und die Rebellen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk nach langen Verhandlungen ein Abkommen unterzeichnet, in dem neben einer Waffenruhe der Abzug der schweren Waffen, die Einrichtung einer Pufferzone und ein Gefangenenaustausch vereinbart wurden. Die Waffenruhe wird seither immer wieder gebrochen, am Samstag tauschten beide Seiten aber an der Frontlinie etwa 190 Gefangene aus - 139 ukrainische Soldaten und 52 prorussische Separatisten.

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(AFP)