Auch Kapitän des Flüchtlingsschiffs festgenommen: Cap-Anamur: Chef verhaftet - Schiff beschlagnahmt

Auch Kapitän des Flüchtlingsschiffs festgenommen : Cap-Anamur: Chef verhaftet - Schiff beschlagnahmt

Köln (rpo). Überraschende Wende im tagelangen Nervenkrieg um das deutsche Rettungsschiff "Cap Anamur": Elias Bierdal, Chef der Hilforganisation, und der Kapitän des Schiffs, Stefan Schmidt, sind von der italienischen Polizei verhaftet worden.

Außerdem beschlagnahmten die Behörden das Schiff. Das bestätigte Cap Anamur-Projektleiter Bernd Göken auf AP-Anfrage in Köln. Die 37 afrikanischen Flüchtlinge an Bord wurden offenbar in Abschiebehaft gebracht und nicht, wie zunächst angenommen, in ein Aufnahmelager.

Göken bestätigte eine Vorabmeldung der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Dienstagausgabe). Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA wurden Bierdel und sein deutscher Kapitän, Stefan Schmidt, verhaftet. Ihnen wird demnach Begünstigung illegaler Einwanderung vorgeworfen.

Göken sagte, dass Bierdel aus dem seit 13.00 Uhr dauernden Verhör nicht freigelassen wurde. Er rechne nicht mit einer Freilassung am (heutigen) Montag. Mit der Beschlagnahmung der "Cap Anamur" habe auch die gesamte Mannschaft das Schiff verlassen müssen.

Göken äußerte sich bestürzt. Das Vorgehen der Behörden verstoße gegen alle Absprachen. "Die Italiener haben sich an nichts gehalten" sagte er. Mit den Schiffbrüchigen habe es "kein vernünftiges Verfahren" gegeben, kritisierte er. Die "Cap Anamur" hatte die 37 in einem Schlauchboot im Mittelmeer treibenden Afrikaner vor drei Wochen an Bord genommen. Insgesamt 36 der Flüchtlinge stammen ihren eigenen Angaben zufolge aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, einer aus Sierra Leone.

Laut ANSA machen die italienischen Behörden nach ersten Ermittlungen geltend, dass die Flüchtlinge entgegen diesen Angaben vermutlich aus Ghana und Nigeria stammen. Italien hatte rund zehn Tagen lang die Einfahrt des Schiffes verhindert - mit der Begründung, das Schiff habe zuvor ein zu Malta gehörendes Seegebiet passiert

Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob der Konflikt gelöst werden könnte. Am Mittag durfte das Boot nach Tagen auf See im sizilianischen Porto Empedocle ankern und ein Bus brachte die Flüchtlinge zu einem nahe gelegenen Asylbewerberheim. Bierdel hatte daraufhin von einer erfolgreichen Rettung gesprochen und weitere Aktionen angekündigt.

Die Bundesregierung hatte zuvor klargestellt, dass die Flüchtlinge kein Asyl in Deutschland beantragen können. "Ein deutsches Schiff ist kein deutsches Hoheitsgebiet", sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Rainer Lingenthal. Ein Asylgesuch sei deshalb ohne Wirkung. Allein Italien sei für die Flüchtlinge zuständig. Dass Italien die Flüchtlinge aufnehme, sei die von Deutschland angestrebte humanitäre Lösung.

Neudeck fordert Bierdels Freilassung

Der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, fordert die sofortige Freilassung Bierdels. Laut "Stuttgarter Nachrichten" (Dienstagausgabe) bezeichnete er die Festnahme als "absolut lächerliche Reaktion des italienischen Staates". Die Bundesregierung müsse sich schleunigst dafür einsetzen, dass Bierdel wieder freikomme.

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