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Italiens Ministerpräsident unter Druck: "Bunga-Bunga-Affäre" bringt Berlusconi ins Stolpern

Italiens Ministerpräsident unter Druck : "Bunga-Bunga-Affäre" bringt Berlusconi ins Stolpern

Düsseldorf (RPO). Viele Skandale hat er schadlos überstanden, doch jetzt wird es ernst für Silvio Berlusconi: Er soll ein minderjähriges Partygirl angeblich vor der Strafverfolgung geschützt haben. Nun regt sich Widerstand in der eigenen Partei. Mehrere Abgeordnete wollen dem Cavaliere den Rücken kehren. Der Karriere des politischen Stehaufmännchens droht das Aus.

Düsseldorf (RPO). Viele Skandale hat er schadlos überstanden, doch jetzt wird es ernst für Silvio Berlusconi: Er soll ein minderjähriges Partygirl angeblich vor der Strafverfolgung geschützt haben. Nun regt sich Widerstand in der eigenen Partei. Mehrere Abgeordnete wollen dem Cavaliere den Rücken kehren. Der Karriere des politischen Stehaufmännchens droht das Aus.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Mit der jüngsten Affäre um eine wie auch immer geartete Beziehung zu einer seinerzeit 17 Jahre alten Marokkanerin hat der Cavaliere womöglich den Bogen überspannt. Hatten die politischen Weggefährten seiner Partei "Popolo della Liberta" ("Volk der Freiheit") zumeist über seine Aussetzer hinweggesehen, haben einige die ewigen Affären offenbar satt.

Am Dienstag sorgte Berlusconi für den ersten Paukenschlag: Weil er eine hohe Arbeitsbelastung habe, schaue er hin und wieder schöne Frauen an und finde dies besser "als schwul zu sein", hatte er als Reaktion auf die Berichte um die so genannte "Bunga-Bunga-Affäre" gesagt und damit einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Gleichstellungsministerin Mara Carfagna kritisierte diesen "Witz", drei weitere PDL-Politikerinnen schlossen sich an.

Parteifreunde haben genug

Am Mittwoch kündigten dann zwei Abgeordnete der Partei ihren Austritt an. Sie wechseln in das Lager von Berlusconis Intimfeind Gianfranco Fini. Der italienische Parlamentspräsident hatte erst in diesem Jahr eine eigene Fraktion gegründet, verblieb aber bislang in der Regierungskoalition.

Zukünftig dürfte die Gangart noch härter werden. Schon im Sommer lähmte der Zwist zwischen den beiden die Politik. Fini legte dem Ministerpräsidenten jetzt den Rücktritt nahe, Berlusconis Gebaren blamiere das Land.

Aber nicht nur in der Politik regt sich Widerstand. Auch mit der Öffentlichkeit und den Medien hat es sich Berlusconi anscheinend verscherzt. Mehrere Zeitungen hatten berichtet, der Regierungschef habe sich für das Mädchen namens Ruby eingesetzt und sie vor einer Haftstrafe bewahrt. Demnach soll Berlusconi der Polizei gesagt haben, ein Parteimitglied werde sich um die Jugendliche kümmern.

Die Opposition warf ihm deswegen Machtmissbrauch vor. Selbst von Kommentatoren in Zeitungen, die seiner Familie gehören, musste der Ministerpräsident Kritik dafür einstecken, dass er sich in einen möglichen Kriminalfall eingemischte. Was er getan habe, sei lediglich ein "Akt der Solidarität" gewesen, erklärte hingegen der Regierungschef.

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Nicht die erste Affäre

Ruby selbst sagte der Zeitung "Libero", sie habe Berlusconi zwar angehimmelt, aber nie eine intime Beziehung mit ihm gehabt. Doch ihre bisherigen Äußerungen sind widersprüchlich, Berichten zufolge zweifelt auch die Polizei an ihrer Glaubwürdigkeit.

Ruby hat erst am Dienstag ihren 18. Geburtstag gefeiert und soll zuvor an ausschweifenden Feiern in Berlusconis Villa in Arcore nahe Mailand teilgenommen haben. Sex mit Berlusconi soll sie den Berichten zufolge nicht gehabt haben, allerdings soll der Regierungschef demnach pro Abend 5000 Euro an sie und andere junge Frauen bezahlt haben.

Außerdem gibt es Berichte über den Konsum von Marihuana auf den ausschweifenden Partys, die in Italien nur mit "Bunga Bunga" beschrieben werden. Den Begriff hat Berlusconi angeblich von Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi gelernt, der so angeblich Aktivitäten in seinem Harem umschreibt.

5000 Euro für was?

Ähnlichkeit mit einem Harem haben die Feste auf Berlusconis Anwesen: Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitiert aus einem geheimen Bericht der Staatsanwaltschaft, wonach eine Zeugin behauptet, sie habe für jeweils 5000 Euro Sex mit dem Ministerpräsidenten gehabt.

Der hatte in der Vergangenheit zugegeben, "kein Heiliger" zu sein - aber für Sex habe er niemals bezahlt. Doch Berlusconi geriet in der Vergangenheit mehrfach wegen ausschweifender Partys und angeblicher Affären etwa mit einem Callgirl in die Schlagzeilen.

Für Aufregung sorgte auch seine Bekanntschaft mit der damals Minderjährigen Noemi. Seine Frau Veronica Lario reichte wegen der Eskapaden die Scheidung ein. Gut möglich, dass bald auch eine politische Trennung bevorsteht.

Hier geht es zur Infostrecke: Silvio Berlusconi: Aussetzer und Leben des Cavaliere