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Buenos Aires: Alberto Fernandez gewinnt Präsidentschaftswahlen in Argentinien

Machtwechsel in Buenos Aires : Fernandez gewinnt Präsidentschaftswahlen in Argentinien

Die argentinischen Wähler haben sich für einen Regierungswechsel entschieden. Linkspolitiker Alberto Fernandez soll die schweren Herausforderungen meistern.

Alberto Fernandez hat die Wahlen in Argentinien klar gewonnen. Nach knapp 96 Prozent der ausgezählten Stimmen entfielen in der frühen Montagnacht 48,03 Prozent auf den Linkspolitiker und 40,44 Prozent auf den konservativen Amtsinhaber Mauricio Macri. Der Sieg von Fernandez ist keine Überraschung. Allerdings fällt die Niederlage für den scheidenden Präsidenten nicht so vernichtend aus, wie sich das bei den Vorwahlen vor einigen Wochen noch andeutete, als Macri auf desaströse 32 Prozent kam. Zugleich feierte der konservative Bürgermeister Horacio Rodriguez Larreta in der Hauptstadt Buenos Aires einen historischen Wahlsieg. Die Basis für eine konstruktive Oppositionsarbeit ist also schon gelegt.

Macri erklärte Ende 2015 die Armutsbekämpfung zum Hauptziel seiner Präsidentschaft und scheiterte. Nun erhob auch der künftige Präsident Alberto Fernandez die Bekämpfung von Hunger und Armut zu seinem vorrangigen Ziel. Dabei helfen soll ihm unter anderem die katholische Kirche. Eine Gruppe von bekannten Armenpriestern solidarisierten sich vor Wochen demonstrativ mit Fernandez, unter ihnen Jose "Padre Pepe" Di Paola, der als persönliche Freund von Papst Franziskus gilt. Die Caritas zeigte sich demonstrativ bei einer Wahlkampfveranstaltung von Fernandez und löste damit eine Debatte über eine Parteinahme der Kirche aus.

Das alles aber ist nun schon wieder überholt. Der in der eng mit dem linken Peronismus verwobene Zivilgesellschaft unpopuläre Mauricio Macri ist bald Geschichte und hat als Sündenbock ausgedient. Nun muss Fernandez die Entscheidungen treffen, die die Märkte beruhigen und Argentinien wieder in ruhigere Fahrwasser bringen. Die Argentinier, die in Armut leben, erwarten von ihm Sozialprogramme. Anfang Oktober teilte das Nationale Statistikinstitut INDEC mit, dass die Armutsrate mit 35,4 Prozent einen neuen Höchststand erreicht hat. Insgesamt 17,5 Millionen Argentinier leben demnach in armen oder prekären Verhältnissen.

Diese Menschen erwarten nun eine konkrete Verbesserung ihrer Lage. Als erste Maßnahmen hatte Fernandez einen Plan gegen den Hunger und einen Sozialpakt in Aussicht gestellt. Die feministische Bewegung erhofft sich von Fernandez das, was schon zwischen 2003 und 2015 nicht gelang, als der Peronismus an der Macht war: Die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.

Noch in der Wahlnacht gab die Zentralbank eine Entscheidung bekannt, die den Dollarkauf monatlich beschränkt. Zuletzt hatte es vor den Wechselstuben lange Schlangen gegeben, die Schwarzmarkthändler hatten Hochkonjunktur. Mit Interesse werden nicht nur die Argentinier auf das Arbeitsfrühstück von Wahlsieger Fernandez und Macri am Montagvormittag (Ortszeit) blicken. Macri zeigte sich nach seiner Wahlniederlage versöhnlich, gratulierte seinem Herausforderer. Welche Rolle er künftig in der argentinischen Politik spielen wird ist noch unklar.

Mit Spannung erwarten die Argentinier nun darauf, wie Papst Franziskus auf das Wahlergebnis reagiert. Der seit 2013 amtierende Argentinier hat sein Heimatland bislang noch nicht besucht. Argentiniens künftige Vizepräsidentin Cristina Kirchner, die das Land von 2007 bis 2015 regierte, hatte in den ersten beiden Amtsjahren von Franziskus ein enges Verhältnis zum Papst. Macri tat sich deutlich schwerer. Die beiden Treffen im Vatikan endeten eher kühl. In Argentinien rechnen Kirchenvertreter nun damit, dass der Papst in Kürze einen Termin für den ersten Besuch in seiner Heimat bekanntgibt. Mit dem Kapitel Fernandez könnte auch der Papst ein neues Kapitel zur Casa Rosada, dem Dienstsitz des Präsidenten in Buenos Aires, aufschlagen.

(lukra/kna)