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Untersuchungsausschuss: Blair rechtfertigt Irak-Krieg

Untersuchungsausschuss : Blair rechtfertigt Irak-Krieg

London (RPO). Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair hat den von ihm 2003 mitverantworteten Krieg im Irak gerechtfertigt. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA habe sich seine Einschätzung des irakischen Machthabers Saddam Hussein geändert, sagte Blair am Freitag vor dem Irak-Untersuchungsausschuss.

Die Anschläge, bei denen rund 3000 Menschen getötet wurden, hätten verdeutlicht, dass eine Politik der Sanktionen und der Eindämmung nicht mehr ausgereicht habe. "Uns wurde gesagt, dass diese Leute chemische oder biologische Waffen oder einen atomaren Sprengsatz benutzen würden, wenn sie dieser habhaft werden könnten", sagte ein zeitweise nervös wirkender Blair.

Die Entscheidung Blairs, 45.000 britische Soldaten in den Irak zu schicken, war die umstrittenste seiner zehnjährigen Regierungszeit. Als Begründung für den Krieg hatte Blair in einem im September 2002 vorgelegten Dossier erklärt, Saddam verfüge ohne jeden Zweifel über Massenvernichtungswaffen. Solche wurden in dem Land jedoch nie gefunden. Umstritten war außerdem die Legitimität des Waffengangs. Führende Rechtsberater der Regierung hatten nach eigener Darstellung Zweifel an einem solchen Einsatz ohne die Autorisierung durch die Vereinten Nationen geäußert.

Vor dem Gebäude des Ausschusses versammelten sich Kriegsgegner, darunter auch Angehörige von im Irak getöteten britischen Soldaten. Rufe wie "Tony Blair - Kriegsverbrecher" waren zu hören. der Ex-Regierungschef betrat das Gebäude durch einen Hintereingang.

Die Aussagen Blairs über den in der Bevölkerung unpopulären Krieg könnten Auswirkungen auf die Wahlchancen der Regierung seines Nachfolger Gordon Brown haben. Dieser war während der Blair-Jahre als Schatzkanzler Mitglied des Kabinetts. In Meinungsumfragen liegt die regierende Labour-Partei deutlich hinter den oppositionellen Konservativen. Bis zum Juni muss ein neues Unterhaus gewählt werden.

(RTR/fb)