Bewaffnete töten bei Angriff auf Hotel in Kabul 18 Menschen

Deutsches Opfer : Bewaffnete töten bei Angriff auf Hotel in Kabul 18 Menschen

In Afghanistan haben Taliban-Angreifer ein großes Hotel in der Hauptstadt Kabul überfallen. Gezielt töteten sie Ausländer. Mindestens 14 Gäste - darunter eine deutsche Person - und vier afghanische Beamte starben.

Sechs der Toten stammten aus der Ukraine, wie Außenminister Pawel Klimkin sagte. Als Opfer identifiziert wurden auch zwei Venezolaner und ein Kasache. Die BBC hingegen bezieht sich auf Angaben der Polizei in Kabul und zählt neun Opfer aus der Ukraine, eines aus Deutschland, eines aus Griechenland und eines aus Kasachstan.

Über die Anzahl der toten Angreifer gibt es ebenfalls unterschiedliche Angaben. Während die Presseagentur AP von sechs spricht, nennt die BBC drei.

Die Angreifer hatten am Samstagabend gegen 21 Uhr das Hotel gestürmt, das bei Ausländern und Geschäftsreisenden beliebt ist. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag.

Innenministeriumssprecher Nadschib Danisch sagte, dass es neben den Toten auch mindestens zehn Verletzte gegeben habe, darunter sechs Sicherheitskräfte. Mehr als 150 Menschen, darunter 41 weitere Ausländer, konnten demnach aus dem Hotel gerettet werden. Viele der ausländischen Toten arbeiteten für die private afghanische Fluggesellschaft KamAir, darunter auch zwei venezolanische Piloten, die von ihren Angehörigen identifiziert wurden.

In einer Bekennerbotschaft der Taliban hieß es, der Angriff sei eigentlich für Donnerstagabend geplant gewesen, aber dann um einen Tag verschoben worden, weil am Donnerstag dort eine Hochzeit stattgefunden habe und man zivile Opfer vermeiden habe wollen. Das streng bewachte Hotel Intercontinental war vor fast genau sechs Jahren schon einmal von den Taliban angegriffen worden. Es gehört nicht zur weltweiten Hotelkette des gleichen Namens.

Nach Angaben des Innenministeriums hatte erst vor drei Wochen ein privater Wachdienst den Schutz des Gebäudes übernommen. Es werde geprüft, wie die Angreifer in das Gebäude gelangen konnten. Nach vorläufigen Erkenntnissen stürmten sie von der Nordseite durch die Küche ins Hotel. Zum Zeitpunkt des Angriffs fand gerade eine Konferenz des Telekommunikationsministeriums im Hotel statt.

Während der Kämpfe brach ein Feuer aus. Immer wieder waren Explosionen zu hören. Die Angreifer trugen nach Angaben der Taliban Sprengstoffwesten. In Live-Aufnahmen im Fernsehen war zu sehen, wie Menschen versuchten, durch Fenster im vierten und fünften Stock zu fliehen, indem sie an Bettlaken herunterkletterten.

Die Taliban übernahmen auch die Verantwortung für einen Angriff in Nordafghanistan, wo Aufständische 18 Mitglieder einer regierungstreuen Miliz töteten. Die Angreifer seien am Samstagabend in ein Haus eingedrungen, wo mehrere Mitglieder der Miliz versammelt gewesen seien, und hätten diese nach draußen geführt und erschossen, erklärte der stellvertretende Polizeichef der Provinz Balch, Abdul Razek Kaderi.

In der westafghanischen Provinz Herat wurden am Sonntag bei der Explosion eines Sprengkörpers an einer Straße mindestens zwölf Zivilisten getötet, wie ein Polizeisprecher sagte. Zunächst übernahm niemand die Verantwortung für den Anschlag. Der Sprecher schrieb auch diese Tat den Taliban zu.

In der westafghanischen Provinz Farah wurde am Sonntagmorgen zudem der stellvertretende Polizeichef durch eine Sprengfalle der Taliban getötet, vier weitere Polizisten wurden verletzt.

(sbl)