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Krise auf der Krim: Bewaffnete besetzen Flughafen - kurzzeitig

Krise auf der Krim : Bewaffnete besetzen Flughafen - kurzzeitig

Nach dem Umsturz in Kiew richten sich nun sorgenvolle Blicke auf die Krim: Nach der Erstürmung von Parlamentsgebäuden hielten Bewaffnete nun den Flughafen von Simferopol besetzt - kurzzeitig. Die Halbinsel droht zum Schauplatz einer Eskalation zu werden.

Die Krim ist zum Brennpunkt der politischen Krise in der Ukraine geworden. Dutzende Bewaffnete besetzten am Freitagmorgen den Flughafen der Regionalhauptstadt Simferopol. Die Gruppe von rund 50 Männern habe zunächst den Terminal für Inlandsflüge eingekesselt, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax.

Demnach hatten die Bewaffneten die russische Flagge gehasst. Offenbar waren sie auf der Suche nach ukrainischen Soldaten, zogen aber schließlich wieder ab. Erst am Vortag hatten offenbar prorussische Angreifer die Parlamentsgebäude in Simferopol gestürmt.

Mit den jüngsten Ereignisse drohen sich die Spannungen zwischen Kiew und Moskau zu verschärfen, zumal der Kreml Kampfjets an die Grenze schickte. Damit signalisierte Russland seine Entschlossenheit, die Ukraine nicht an den Westen zu verlieren.

Moskau gewährt auch dem abgesetzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch Unterschlupf, wie Nachrichtenagenturen berichteten. Einem Bericht des Nachrichtenportals RBK zufolge befand er sich in einem Kreml-eigenen Sanatorium bei Moskau, wollte aber am heutigen Freitag eine Pressekonferenz in Rostow am Don nahe der ukrainischen Grenze geben. In einer Erklärung ließ er mitteilen, er fühle sich von Extremisten bedroht und habe Russland daher um Schutz gebeten. Er sehe sich aber nach wie vor als legitimer Präsident der Ukraine.

Die Krise auf der Krim rief auch die neue politische Führung in Kiew auf den Plan. Kurz nach seiner Bestätigung als Ministerpräsident erteilte Arseni Jazenjuk einer möglichen Abspaltung der mehrheitlich von Russen bewohnten Halbinsel eine klare Absage. Die Krim "war und wird ein Teil der Ukraine bleiben", sagte er.

Das anhaltende Chaos ließ die Sorge vor einem Staatsbankrott der Ukraine weiter steigen. IWF-Chefin Christine Lagarde teilte am Donnerstag in Washington mit, der Internationale Währungsfonds sei bereit zu reagieren und werde in den kommenden Tagen ein Untersuchungsteam nach Kiew entsenden.

Der russische Präsident Wladimir Putin forderte seine Regierung ebenfalls auf, mit dem Westen und dem IWF über Finanzhilfen für Kiew zu beraten und gleichzeitig ein humanitäres Hilfspaket für die Krim in Erwägung zu ziehen, wie sein Sprecher Dmitri Peskow sagte. Russland hat wegen der Stationierung seiner Schwarzmeerflotte in Sewastopol handfeste Interessen auf der Krim.

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow warnte Russland jedch vor einer "militärischen Aggression". Auch der britische Premierminister David Cameron betonte nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, jeder Staat solle die territoriale Integrität der Ukraine akzeptieren.

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In Brüssel trafen sich die Nato-Verteidigungsminister und mahnten ebenfalls Zurückhaltung an. "Das sind schwierige Zeiten", sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel. "Aber es sind Zeiten für kühle und weise Führungsstärke von russischer Seite und von jeder anderen Seite."

US-Außenminister John Kerry erklärte nach einem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, dieser habe ihm zugesichert, dass Moskau die Souveränität der Ukraine respektieren werde. Bei einer Pressekonferenz mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte Kerry, er würde das Verhalten Russlands genau beobachten, um zu sehen, ob es auch Wort halte. "Jeder muss einen Schritt zurückmachen und Provokationen vermeiden."

(ap)