1. Politik
  2. Ausland

Zwischenfall mit Minderjähriger: Berlusconi unter Druck

Zwischenfall mit Minderjähriger : Berlusconi unter Druck

Rom (RPO). Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi gerät wegen seines Umgangs mit jungen Frauen immer stärker unter Druck. Die Opposition forderte seinen Rücktritt, weil er einer Minderjährigen eine mögliche Haftstrafe erspart haben soll, die sich Berichten zufolge mindestens einmal in seiner Villa in Mailand aufhielt.

Die damals 17-Jährige war im Mai wegen eines mutmaßlichen Diebstahls festgenommen worden. Berlusconi bekräftigte am Dienstag, seine Regierung bleibe im Amt.

Mehrere Zeitungen hatten berichtet, der Regierungschef habe sich für das Mädchen namens Ruby eingesetzt. Demnach soll Berlusconi der Polizei gesagt haben, ein Parteimitglied werde sich um die Jugendliche kümmern. Die Opposition warf ihm deswegen Machtmissbrauch vor. Selbst von Kommentatoren in Zeitungen, die seiner Familie gehören, musste der Ministerpräsident Kritik dafür einstecken, dass er sich in einen möglichen Kriminalfall eingemischt habe.

"Akt der Solidarität"

Berlusconi verteidigte seine Vorliebe für junge Frauen am Dienstag erneut und erklärte auf einer Fachmesse in Mailand, es sei "besser, sich für ein junges Mädchen zu begeistern als für einen Homosexuellen". Seine Regierung habe noch immer eine Mehrheit und werde die restlichen drei von insgesamt fünf Jahren im Amt bleiben, betonte der Ministerpräsident. Vorgezogene Neuwahlen wären angesichts der Erholung nach der Wirtschaftskrise ein Desaster.

Im Fall Ruby würde er wieder genauso handeln, sagte Berlusconi. Er hatte nach der Festnahme der 17-Jährigen bei der Polizei angerufen und arrangiert, dass sich ein Parteimitglied - ein ehemaliges Showgirl und Berlusconis Zahnpflegerin - um die junge Frau kümmerte. Was er getan habe, sei lediglich ein "Akt der Solidarität" gewesen, erklärte der Regierungschef.

Ruby selbst sagte der Zeitung "Libero", sie habe Berlusconi zwar angehimmelt, aber nie eine intime Beziehung mit ihm gehabt. Im Gespräch mit der Zeitung kündigte sie an, am Donnerstag ihre Version der Geschichte zu erzählen - in einer beliebten Talkshow des Fernsehsenders RAI. Ihre bisherigen Äußerungen waren allerdings widersprüchlich, und selbst "Libero" zweifelte an ihrer Ehrlichkeit.

Hier geht es zur Infostrecke: Silvio Berlusconi: Aussetzer und Leben des Cavaliere

(apd/felt)