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Berg-Karabach wirft Aserbaidschan Gefangennahme Dutzender Soldaten vor

Waffenruhe wackelt : Berg-Karabach wirft Aserbaidschan Gefangennahme Dutzender Soldaten vor

In Berg-Karabach kehrt keine Ruhe ein. Erneut wirft die armenische Seite Aserbaidschan Verstöße gegen den von Russland vermittelten Friedensvertrag vor. In Armenien gibt es zudem innenpolitische Konflikte.

Behörden in der Separatistenregion Berg-Karabach haben Aserbaidschan die Gefangennahme Dutzender Soldaten und damit den Bruch des Friedensvertrags vorgeworfen. Mit der von Russland vermittelten Vereinbarung hatten Armenien und Aserbaidschan sechs Wochen währende Kämpfe um die Region auf dem Kaukasus beendet.

Der Präsident von Berg-Karabach, Araik Harutjunjan, erklärte, es handele sich um Angehörige der Streitkräfte der Region. Artak Beglarjan, der Ombudsmann für Menschenrechte in Berg-Karabach, sprach von insgesamt 60 gefangenen ethnischen Armeniern. Das Vorgehen Aserbaidschans sei „absolut unzulässig“, erklärte er.

Das Militär der Region nannte später eine noch höhere Zahl und sprach von 73 Soldaten, die vermisst würden. Wann genau die Soldaten gefangen genommen worden sein sollen, wurde nicht mitgeteilt. Die aserbaidschanischen Behörden gaben zunächst keine Stellungnahme ab.

Vor wenigen Tagen hatten sich Armenien und Aserbaidschan bereits gegenseitig den Bruch des Friedensabkommens vorgeworfen. Vertreter der überwiegend von Armeniern bewohnten Region hielten dem aserbaidschanischen Militär vor, bei einem Angriff Einsatzkräfte verletzt zu haben. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev machte hingegen Armenien verantwortlich und drohte eine Reaktion mit eiserner Faust an.

Unterdessen rief die armenische Opposition für kommenden Dienstag zu einem landesweiten Streik auf, um den Rücktritt des umstrittenen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan zu fordern. "Das ganze Land muss lahmgelegt werden, damit dieser Strohmann sein Amt niederlegt", sagte der Chef der Oppositionspartei Daschnakzutjun am Mittwoch in Eriwan. Paschinjan hatte am 9. November einem von Moskau vermittelten Waffenstillstandsabkommen im Konflikt um die Kaukasus-Region Berg-Karabach zugestimmt. Seitdem gibt es heftige Proteste in Armenien.

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt.

Ende September waren erneut Kämpfe um die Region ausgebrochen, bei denen auf beiden Seiten in 44 Tagen mehr als 5600 Menschen getötet wurden. Ein von Russland vermitteltes Friedensabkommen gab Aserbaidschan die Kontrolle über Gebiete in Berg-Karabach und umliegende Regionen wieder, die seit mehr als 25 Jahren unter armenischer Verwaltung gestanden hatten. Vor Ort sind russische Friedenstruppen stationiert, um die Einhaltung des Abkommens vom 10. November zu überwachen.

(peng/dpa/AFP)