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Krieg im Gazastreifen: Benjamin Netanjahu verteidigt opferreiche Militäroffensive

Krieg im Gazastreifen : Benjamin Netanjahu verteidigt opferreiche Militäroffensive

Der Krieg im Gazastreifen hat bisher mehr als 1000 Menschen das Leben gekostet. Zwei Drittel davon sind nach Angaben aus Ramallah palästinensische Zivilisten. Der israelischen Regierung ist bewusst, dass sie damit die öffentliche Meinung gegen sich aufbringt. Dennoch hält sie an ihrem Kurs fest.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Militäroffensive seines Landes im Gazastreifen verteidigt. Er sei sich klar, dass sich die Meinung in der Welt mit dem Tod jedes Zivilisten mehr gegen Israel richte, ein solcher PR-Krieg dürfe aber nicht wichtiger sein als die Sicherheit des Landes, sagte Netanjahu am Sonntag dem US-Sender CBS.

In der Sendung "Face the Nation" warf er der radikalislamischen Hamas einmal mehr vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Israel werde trotz der Sorgen um die steigende Zahl der Toten nicht von seinem Ziel abweichen, sich selbst zu schützen.

Mit dem jetzigen Vorgehen werde das Land das aber nicht erreichen, warnte Mohammed Schtajjeh vom Palästinensischen Wirtschaftsrat für Forschung und Entwicklung. Die Angegriffenen im Gazastreifen würden sich nur verteidigen, sagte er dem Sender CNN. Der einzige Ausweg für Israel sei es, den palästinensischen Forderungen nach einem Ende der Besatzung und einer Errichtung eines unabhängigen Staates Palästina nachzugeben.

Die Kämpfe dauerten am Wochenende unverändert an, obwohl die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas eine Feuerpause verkündet hatte. Netanjahu warf der Hamas vor, die von ihr verkündete 24-stündige Waffenruhe selbst gebrochen zu haben und kündigte eine Fortsetzung des Militäreinsatzes an.

Angesichts des palästinensischen Bruchs der Waffenruhe werde Israel "alles Notwendige" zur Verteidigung seiner Bevölkerung tun, sagte Netanjahu am Sonntag dem US-Nachrichtensender CNN.

Die Hamas hatte zuvor eine 24-stündige Waffenruhe ausgerufen, die ab 13 Uhr MESZ gelten sollte. Allerdings dauerte der Raketenbeschuss vom Gazastreifen Richtung Israel danach an, AFP-Reporter hörten mehrere Explosionen. Nach israelischen Armeeangaben wurden nach der Verkündung der Waffenruhe mindestens elf Raketen Richtung Israel abgefeuert.

Zum Abend hin flammten erneut heftige Kämpfe auf.

Netanjahu sagte dem US-Fernsehsender CBS, Israel werde es nicht zulassen, dass "eine skrupellose Terrororganisation entscheidet, wann es ihr genehm ist, einen Moment Pause zu machen, sich wiederzubewaffnen und dann erneut auf unsere Bürger zu schießen". Die israelischen Truppen würden ihren Einsatz gegen Schmugglertunnel der Hamas fortsetzen und das Raketenarsenal der Palästinenserorganisation vernichten.

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Am Morgen hatte Israel seinerseits eine einseitige Feuerpause wegen des anhaltenden Raketenbeschusses durch die Hamas wieder aufgekündigt. Israel hatte eine von beiden Seiten eingehaltene zwölfstündige Kampfpause am Samstag zunächst um vier und dann um weitere 24 Stunden verlängert. Wegen der unablässigen Angriffe der Hamas kündigte die Armee am Sonntagmorgen aber die Wiederaufnahme ihres Einsatzes am Boden, in der Luft und auf dem Wasser an. Seitdem wurden mehrere Palästinenser im Gazastreifen getötet. Bei der knapp dreiwöchigen Militäroffensive starben bereits mehr als tausend Palästinenser, der Großteil davon Zivilisten.

Während der zwölfstündigen Waffenruhe am Samstag war das ganze Ausmaß der Zerstörung in dem dicht besiedelten Küstengebiet sichtbar geworden: Nach palästinensischen Angaben wurden 147 Leichen aus den Trümmern von bei den israelischen Angriffen zerstörten Häusern geborgen. Vielerorts bot sich ein Bild der Verwüstung, ganze Wohnblöcke lagen in Schutt und Asche.

Auf israelischer Seite wurde in der Nacht zum Sonntag ein weiterer Soldat an der Grenze zum Gazastreifen durch eine Mörsergranate getötet. Damit starben inzwischen 43 israelische Soldaten. Zudem wurden drei Zivilisten in Israel getötet. Die Zahl der verletzten Palästinenser liegt inzwischen bei etwa 6000, auch unter ihnen sind die meisten Zivilisten.

Angesichts des Ausmaßes der Gewalt forderten die Außenminister der USA, Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens, Italiens, Katars und der Türkei bei einer Konferenz in Paris gemeinsam ein Ende des Blutvergießens. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte, die Außenministerrunde wolle so schnell wie möglich einen dauerhaften Waffenstillstand erreichen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an beide Seiten, eine einwöchige Feuerpause zu vereinbaren.

In Paris wurden bei einer verbotenen Protestkundgebung gegen Israels Militäroffensive 70 Menschen festgenommen. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Demonstranten wurden zwölf Polizisten leicht verletzt.

(DEU ap)