Schwere Vorwürfe gegen Truppen im Irak: Begingen US-Soldaten ein Massaker an Zivilisten?

Schwere Vorwürfe gegen Truppen im Irak : Begingen US-Soldaten ein Massaker an Zivilisten?

Washington (rpo). Es wäre das wohl größte Kriegsverbrechen von US-Soldaten im Irak: Amerikanische Truppen sollen als Vergeltungsmaßnahme 20 unschuldige Zivilisten in der irakischen Stadt Haditha getötet haben. Ein entsprechender Bericht des Magazins "Time" sorgt in Washington jetzt für Aufregung. Präsident Bush will erst durch die Medien von diesem Vorfall erfahren haben.

Angehörige des United States Marine Corps, das als Elitestreitkraft gilt, sollen in Haditha im vergangenen November 24 Menschen kaltblütig getötet haben. Die Untersuchung des Massakers neigt sich ihrem Ende entgegen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie die Iraker tatsächlich zu Tode kamen, sondern vor allem darum, dass die Soldaten ihre Tat im Anschluss offenbar verschleierten.

Das "Time Magazine" hatte unter Berufung auf Menschenrechtler und Augenzeugen die offizielle Armeeversion des gewalttätigen Vorfalls in einem Bericht in Frage gestellt. Demnach waren die Zivilisten, unter ihnen Frauen und Kinder, getötet worden, als US-Soldaten nach dem Tod eines Kameraden in ihre Häuser eindrangen und wahllos auf jeden schossen, der ihnen in den Weg kam.

Ein US-Marineinfanterist spricht im Zusammenhang mit dem Masaker von blindem Hass. Unteroffizier James Crossan wurde bei der Explosion einer Bombe verletzt, die zudem einen Marineinfanteristen tötete. Einige Soldaten seien danach offenbar ausgerastet, sagte Crossan dem Sender KING-TV in Seattle: "Ich glaube, dass sie einfach blind vor Hass waren (...) und die Kontrolle verloren haben."

Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, erklärte am Dienstag in Washington, ein Reporter des Magazins "Time" habe dem Präsidenten ersten Hinweise gegeben.

Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Frederick Jones, sagte, die Zeitschrift habe die US-Truppen in Bagdad am 10. Februar auf die Vorgänge in Haditha vom November aufmerksam gemacht. Nach ersten Ermittlungen sei der Präsident informiert worden.

Untersuchungsbericht soll veröffentlicht werden

Das Weiße Haus will die Untersuchungen zu dem möglichen Massaker in allen Einzelheiten veröffentlichen. Nach Abschluss der Ermittlungen durch die Armee würden alle Details der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, am Dienstag in Washington. Er versicherte, Präsident George W. Bush sei erst im März nach Veröffentlichung der Affäre im US-Magazin "Time" über die Vorfälle informiert worden. Er nehme die Vorwürfe sehr ernst.

Der einflussreiche demokratische US-Abgeordnete John Murtha warf dem Militär am Dienstag erneut vor, die Affäre vertuscht zu haben. Nach dem Tod der 24 Zivilisten sei den Angehörigen bis zu 2500 Dollar Entschädigung gezahlt worden, berichtete Murtha dem US-Sender CNN. "Dies geschieht nicht, wenn sie durch einen Sprengsatz getötet wurden".

Er schätzte, dass die Entschädigungen auf Veranlassung der Militärspitze gezahlt wurden. Murtha sagte, die Geschehnisse in Haditha seien "noch schlimmer" als der Folterskandal von Abu Ghraib.

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(ap)