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Baschar al-Assad: Zynische Propaganda-Videos zeigen Syrien als heile Welt

Werbeclips von Baschar al-Assad vor den Wahlen : Zynische Propaganda-Videos zeigen Syrien als heile Welt

Am 17. Juli will Baschar al-Assad seinen Amtseid als neuer und alter Präsident Syriens ablegen – ungeachtet der internationalen Kritik, die die Präsidentenwahl in dem Bürgerkriegsland hervorgerufen hat. Dass viele Städte in Schutt und Asche liegen, hält den Machthaber aber nicht davon ab, das Bild eines blühenden Syriens zu zeichnen. So etwa in den Wahlwerbespots, mit denen er um seine Wiederwahl geworben hat und die den Gegnern des Regimes bitter aufgestoßen haben.

Am 17. Juli will Baschar al-Assad seinen Amtseid als neuer und alter Präsident Syriens ablegen — ungeachtet der internationalen Kritik, die die Präsidentenwahl in dem Bürgerkriegsland hervorgerufen hat. Dass viele Städte in Schutt und Asche liegen, hält den Machthaber aber nicht davon ab, das Bild eines blühenden Syriens zu zeichnen. So etwa in den Wahlwerbespots, mit denen er um seine Wiederwahl geworben hat und die den Gegnern des Regimes bitter aufgestoßen haben.

88,7 Prozent der Wähler haben nach Angaben aus Damaskus für Assad gestimmt. Eine "Scheinwahl" nannten dies die G7-Staaten, eine "Beleidigung" für die Syrer der britische Außenminister William Hague. Und die Opposition kritisierte, dass viele Wähler weniger aus Überzeugung denn aus Furcht abgestimmt hätten. Denn die Wahl fand nur in Gebieten statt, in denen die Regierung die Kontrolle hat, das sind rund 40 Prozent des Staatsgebietes mit 60 Prozent der Bevölkerung.

Dass Hundertausende Syrer aus ihrer Heimat geflohen sind, mehr als 160.000 Menschen ihr Leben in dem Bürgerkrieg verloren haben, all das spielt für den Machthaber keine Rolle. Auch nicht in der Kampgane, mit der er für seine Wiederwahl warb. "Sawa" — "Zusammen" — lautete diese und dürfte in den Ohren der Regime-Gegner wie Hohn geklungen haben. Zumal die Werbeclips, die etwa auch auf einem eigenen Youtube-Kanal zu sehen waren und sind, die Grausamkeiten des Krieges völlig verleugnen.

Arbeiter bauen Stadt wieder auf

Kein Wort wird in den Clips gesagt, sie sind mit Instrumentalmusik unterlegt und zeigen eine heile Welt, für die Assad steht. Da sind die zwei Kinder, die auf einem Grab auf einem gepflegten Friedhof die syrische Flagge aufstellen, salutieren und von Erwachsenen dabei erstaunt gefilmt werden. Das Video macht die Runde, und immer mehr Syrer folgen dem Beispiel des Jungen und des Mädchen.

Da gibt es den Clip, in dem alle Syrer an der Burg Krak de Chevaliers, die wieder Touristen anlocken soll, zusammen kommen ungeachtet der nahe befindlichen völlig zerstörten Stadt Homs. Da ist ein anderes Video, in dem Dutzende Arbeiter mit Baggern zusammenkommen, um Baba Amr wieder aufzubauen — jenen Stadtteil von Homs, der durch die Truppen des Regimes zerstört worden war.

Und da sind die Kinder, die sich nachts treffen, um die graue Betonwand neben ihrer Schule zu bemalen, und denen sich immer mehr Syrer anschließen und so ein wenig Farbe in das Land bringen. Dabei hatten die Proteste in Syrien damit begonnen, dass eine Gruppe von Schülern verhaftet und gefoltert worden war, als sie den Slogan "Das Volk will den Sturz des Regimes" an Wände gepinselt hatte.

Es ist Propaganda, wie sie Assad seit jeher durchgeführt hat ungeachtet der Wirklichkeit. Immer wieder hatte er sich mit seiner Frau Asma ablichten lassen, wie sie etwa Hilfspakete für bedürftige Syrer gepackt hatten. Auch sein Instagram-Kanal zeigte den Präsidenten etwa an Krankenbetten. Entsprechend ist auf dem "Sawa"-Youtube-Kanal auch nach der Wahl ein Video davon zu sehen, wie das Herrscherpaar wählen geht, von allen jubelnd begrüßt wird und wie frenetischer Applaus aufkommt, als sie ihre Wahlzettel in die Wahlurne werfen.

Aber auch Kritik am Ausland üben die Propaganda-Videos, zumal Assad dem Westen immer wieder eine Verschwörung und Einmischung in fremde Angelegenheiten vorgeworfen hatte. In zwei Videos sind Männer an einem Tisch zu sehen. Ihre Köpfe sieht man nicht, aber Anstecknadeln an ihren Anzügen: USA, Israel, die Türkei und auch Deutschland sind dabei.

Schach spielende Weltmächte

In dem einen Video spielen diese Männer Schach, lassen eine Figur nach dem anderen fallen. Es soll zeigen, dass Syrien nur ein Bauernopfer in dem strategischen Spiel der Weltmächte ist — sich aber gut zur Wehr setzen kann. In dem zweiten Video ist eine Landkarte zu sehen, auf der immer wieder Länder weggestrichen werden, während die Männer Whisky trinken und Zigarre rauchen. Doch Syrien bleibt, wie die vielen Fähnchen und Männer auf dem Feld zeigen sollen.

Die Propaganda-Maschinerie der Assads hatte sich durch alle sozialen Medien durchgezogen. Auch auf Facebook richtete das Regime eine Seite ein. Dafür musste das soziale Netzwerk viel Kritik einstecken. Sogar eine Petition dagegen gab es.

(das)