Barack Obama: Secret Service ließ Bewaffneten mit ihm Aufzug fahren

Neue Panne beim Secret Service : Bewaffneter fuhr mit Obama im Aufzug

Die Pannen beim Secret Service reißen nicht ab: Am Mittwoch wird ein weiterer Aussetzer bekannt: Nach Berichten von US-Medien ließ der Sicherheitsdienst einen bewaffneten Vorbestraften unbehelligt mit US-Präsident Barack Obama Aufzug fahren.

Von dem Vorfall berichteten am Mittwoch übereinstimmend die "Washington Post" und der "Washington Examiner". Dies stelle eine Verletzung des Sicherheitsprotokolls des Secret Service dar. Dabei hatte dessen Chefin Julia Pierson erst am Dienstag Besserung gelobt, nachdem das Eindringen eines Irak-Veterans ins Weiße Haus vor zwei Wochen für Aufregung gesorgt hatte.

Der Vorfall im Lift trug sich laut den Medienberichten schon am 16. September während Obamas Besuch bei der Seuchenschutzbehörde CDC in Atlanta zu. Im Aufzug soll der Sicherheitsdienst-Mitarbeiter mit seinem Handy Videoaufnahmen vom Präsidenten gemacht haben. Dessen Wachleute hätten den Mann aufgefordert, das Filmen zu unterlassen.

Als der sich jedoch weigerte, hätten ihn die Secret-Service-Agenten verhört und dabei von dessen Vorstrafen erfahren, schrieb die "Post". Dass er bewaffnet war, erfuhren sie demnach erst, als sein Chef ihn auf der Stelle feuerte und der Mann dann seine Waffe übergeben musste. Ein Sprecher des Secret Service bestätigte den Zwischenfall, wollte jedoch unter Verweis auf laufende Ermittlungen keine Details nennen.

Für den Secret Service kommt die neue Enthüllung zur Unzeit. Drei Tage nach dem mutmaßlichen Lift-Vorfall sprang ein 42-jähriger Mann aus Texas über den Zaun des Weißen Hauses, das eigentlich als eines der am besten gesicherten Gebäude der Welt gilt. Dann sprintete er über den Rasen und wurde erst im Regierungssitz gestoppt. Zuerst hieß es, die Festnahme des Eindringlings sei noch im Eingangsbereich erfolgt. Anfang der Woche kam jedoch heraus, dass der Eindringling es bis in den sogenannten East Room und von dort weiter bis zum Green Room schaffte.

Dieser Weg würde ihn auch an dem Treppenaufgang vorbeiführen, der zur privaten Residenz der Obamas hinaufführt. Der Präsident und seine Familie waren zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht zu Hause.

Außerdem hieß es zunächst, der Eindringling sei unbewaffnet gewesen. Doch stellte sich später heraus, dass der Ex-Soldat ein Klappmesser bei sich hatte. Zudem hatte er mehr als 800 Patronen, eine Machete und zwei Beile in seinem Auto.

Nun muss sich der Mann vor Gericht verantworten. Ihm wird illegales Betreten eines gesperrten Gebäudes, Tragen einer Waffe und gesetzeswidriger Besitz von Munition vorgeworfen. Am Mittwoch sollte er vor einer Bezirksrichterin in Washington erscheinen.

Vor dem zuständigen Kongressausschuss übernahm Secret-Service-Chefin Julia Pierson am Vortag die volle Verantwortung für die Panne um den Eindringling. Das Versagen ihrer Behörde sei "inakzeptabel" räumte sie ein. Zugleich versicherte sie, dass eine solche Panne "nie wieder vorkommen" werde. Als erste Konsequenz soll sich die Haupttür des Weißen Hauses bei künftigen Vorfällen dieser Art automatisch schließen.

Der Ausschussvorsitzende Darrel Issa äußerte jedoch sein Unverständnis darüber, wie der Eindringling mindestens fünf Sicherheitshürden überwinden konnte. "Dieser Fehler hat das Vertrauen des amerikanischen Volkes in den Secret Service auf die Probe gestellt, ein Vertrauen, auf das wir angewiesen sind, wenn es um den Schutz des Präsidenten geht."

Pierson räumte ein, dass der Sicherheitsplan an jenem Tag nicht sauber ausgeführt worden sei. Zugleich verteidigte sie die Entscheidung des Secret Service, nicht auf den Eindringling zu schießen.

(ap)
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