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US-Präsident in Late-Night-Show von Jay Leno: Barack Obama schaltet auf Plauder-Modus

US-Präsident in Late-Night-Show von Jay Leno : Barack Obama schaltet auf Plauder-Modus

NSA-Spionage-Affäre, Terrorwarnungen, Streit mit Russland: Die US-Regierung sieht sich vielen kritischen Fragen ausgesetzt. Nun hat sich US-Präsident Barack Obama erstmals zu den Botschaftsschließungen geäußert – das allerdings in einer Late-Night-Show. Weitere Themen: sein Geburtstag und Brokkoli.

NSA-Spionage-Affäre, Terrorwarnungen, Streit mit Russland: Die US-Regierung sieht sich vielen kritischen Fragen ausgesetzt. Nun hat sich US-Präsident Barack Obama erstmals zu den Botschaftsschließungen geäußert — das allerdings in einer Late-Night-Show. Weitere Themen: sein Geburtstag und Brokkoli.

Es ist erst wenige Tage her, da warnte Interpol weltweit vor Anschlägen. Und die US-Regierung ließ Dutzende Botschaften auf der Welt schließen. "Es gibt einen bedeutenden Strom von Drohungen. Und wir reagieren darauf", hatte Generalstabschef Martin Dempsey am Wochenende in einem Interview des Senders ABC gesagt. Der Grund für die Warnungen ist nun offenbar auch klar: Laut "Los Angeles Times" und dem Sender CBS News sei ein Telefonat zwischen al-Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri und seinem Regionalleiter im Jemen, Nasser al-Wahischi, abgehört worden.

Als die Warnung herausgegeben wurde, hatte sich der US-Präsident selbst nicht zu dazu geäußert. Nun hat er das nachgeholt. Allerdings nicht in einer offiziellen Ansprache, sondern ausgerechnet in der "Tonight"-Show, dem Late-Night-Talk mit Moderator Jay Leno. Dort fühlt sich Obama fast schon zu Hause, denn es war das sechste Mal, dass er dort zu Gast war, bereits das zweite Mal als US-Präsident. Und wie das so üblich ist in einer Late-Night-Show, hat auch die "Tonight"-Show mehr Plauder-Charakter denn ernsthafte Diskussionen.

Obama: Reisende sollten mehr Vorsicht walten lassen

Und so wirkten auch die Antworten Obamas auf Lenos Fragen, wie ernst denn die Terrorwarnungen zu nehmen seien, eher blass und hinterließen den Eindruck, als wenn die Bedrohung nicht wirklich riesig ist. "Terroristen sind abhängig von der Vorstellung, dass wir uns terrorisieren lassen. Aber wir leben einfach weiter unser Leben", sagte der US-Präsident und fügte noch hinzu: "Die Wahrscheinlichkeit, bei einem terroristischen Angriff zu sterben, ist wesentlich kleiner, als bei einem Unfall ums Leben zu kommen."

Schließlich, so fügt er noch hinzu, sei das erste, woran er denke, wenn er aufstehe und das letzte, wenn er zu Bett gehe, die Sicherheit der amerikanischen Bürger. Und zu den Warnungen sagte er laut NBC, es sei eine Erinnerung daran, dass nach all den Fortschritten, die man etwa durch die Ergreifung bin Ladens gemacht habe, Extremismus noch immer existiere und die USA Oberwasser behalten müssten. Auch müssten die US-Bürger jetzt nicht ihre Reisepläne für Europa aufgeben, nur sollten sie mehr Vorsicht walten lassen und sich etwa auf der Seite des Außenministeriums über Warnungen informieren.

Es sind Antworten, die manchen beunruhigten US-Bürger wieder besser schlafen lassen dürften. Denn warum diese Warnungen ausgerufen worden, dazu sagt der Präsident kein Wort. Der Moderator hakt aber auch nicht nach. Vielmehr wechselt er von einem Thema zum nächsten, lässt den Präsidenten über Gesundheitspolitik, den Fall Trayvon Martin oder auch die Anti-Homosexuellen-Politik in Russland referieren. Überhaupt, mit Russland sei das ja so eine Sache.

"Wir haben ein paar Mechanismen"

Obama macht deutlich, dass er enttäuscht darüber sei, dass Moskau dem Whistleblower Edward Snowden temporäres Asyl gewährt hat, dass er aber dennoch zum G20-Gipfel in die russische Hauptstadt fahren werde, weil dies für eine Wirtschaftsnation wie den USA wichtig sei. Er verteidigt erneut das NSA-Spähprogramm, betont, dass es kein inländisches Spionage-Programm gebe, sondern "ein paar Mechanismen", mit denen man die Telefonnummer oder E-Mail von jemandem herausfinden könne, der etwas mit Terrorismus zu tun habe.

Das Publikum bei Leno jedenfalls dankt es dem Präsidenten, bei fast jeder Antwort gibt es großen Applaus. Es ist die ideale Bühne für Obama, um im Plauderton auch ernsthafte Dinge zu besprechen. "Wir versuchen mit den Amerikanern dort zu kommunizieren, wo sie sind", begründete Obama-Sprecher Jay Carney laut "US Today", warum der US-Präsident so gern in Talkshows geht. Denn die Zuschauer von Late-Night-Shows seien nicht notwendigerweise Zeitungsleser oder Internetnutzer.

Klar, dass da auch ein wenig Unterhaltung drin sein muss. Und so plaudert Obama neben NSA-Skandal und dem Streit mit der russischen Regierung auch über Dinge wie seine Liebe zu Brokkoli, macht Scherze über die Männerfreundschaft mit seinem vormaligen Präsidentschaftskandidat-Konkurrenten John McCain und darüber, dass Hillary Clinton ein "Nach-dem-Amt-Strahlen" im Gesicht habe, wie jeder, der der politischen Bühne in Washington den Rücken kehre.

Für Obama selbst jedenfalls war es ein gelungener Auftritt, denn er konnte seine Position mehr als deutlich machen. Allerdings bleiben nach diesem Auftritt auch viele Fragen offen, denn wirklich Neues konnte der US-Präsident nicht erzählen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: August 2013: Barack Obama zu Gast bei Jay Leno

(das)