Kehrtwende im Umweltschutz: Barack Obama im Kreuzfeuer der Kritik

Kehrtwende im Umweltschutz : Barack Obama im Kreuzfeuer der Kritik

(RP). Nach seiner Ankündigung, in weiten Abschnitten des Küstenschelfs der USA wieder Bohrtürme zu erlauben, muss sich Barack Obama heftige Kritik gefallen lassen. Umweltbewegte Amerikaner, die einst zu seinen treuesten Anhängern zählten, nehmen dem US-Präsidenten übel, was sie für eine fatale Kehrtwende halten.

Der Kandidat Obama hatte eine Lockerung des Bohrstopps noch abgelehnt, sich deutlich abgesetzt von der republikanischen Konkurrenz. "Drill, baby, drill!" (Bohren! Bohren!) hieß die Parole, mit der John McCain und, noch schriller, Sarah Palin durch die Kongresshallen zogen. Heute fragt Greenpeace voller Schärfe: "Ist das etwa Obamas sauberer Energieplan? Oder ist es Palins Kampagne?"

Eher ist es wohl eine Art Mittelweg, typisch für einen Präsidenten, der kühlen Pragmatismus zu seinem Markenzeichen macht. "Das ist keine Entscheidung, die ich leichten Herzens getroffen habe", sagte Obama, als er den Schwenk verkündete, auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews skurril inszeniert vor der Kulisse von Kampfjets, die mit Biotreibstoff fliegen. Nur bleibe Amerika nichts anderes übrig, als weiterhin alte Energiequellen auszubeuten, während es beschleunigt neue entwickle.

Konkret bedeutet der Plan, dass vor der Atlantikküste, von Delaware bis Florida, wieder nach Öl gebohrt werden darf. Nördlich der Delaware-Mündung, bis hinauf nach Maine, bleiben Offshore-Plattformen tabu, was die Regierung mit besonders schützenswerter Fauna begründet. Für die Pazifikküste bleibt ein 1982 vom US-Kongress beschlossenes Moratorium in Kraft. Im Südwesten Alaskas wird die Bristol Bay, bekannt für ihre reichen Fischgründe, ausdrücklich zum Schutzgebiet erklärt. Freigegeben wird dagegen arktischer Meeresboden nördlich von Alaska. Im Golf von Mexiko, wo Rohöl schon bisher gefördert werden durfte, wird die Zone, in der Bohrinseln stehen dürfen, nach Osten ausgedehnt, auf die Strände Floridas zu.

Obamas Vorgänger George W. Bush hatte erst vor zwei Jahren grünes Licht für eine schrankenlose Offshore-Offensive gegeben, womit er pikanterweise Entscheidungen seines Vaters aufhob. Es war George Bush senior, der 1990 speziell für die Bristol Bay ein Bohrverbot erließ, nachdem der Tanker "Exxon Valdez" vor Alaska auf Grund gelaufen war und eine schmierige Lache die Umwelt verseucht hatte.

(RP)
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