"Du wirst hier nie leben können": Australiens Anti-Asylkampagne sorgt für Unmut

"Du wirst hier nie leben können" : Australiens Anti-Asylkampagne sorgt für Unmut

Australien gibt keinen Zentimeter nach: Wer illegal mit dem Boot kommt, wird entweder wieder aufs offene Meer geschleppt oder in Lager in anderen Inselstaaten abgeschoben. Das gilt selbst für Babys. Und dafür muss sich die Regierung seit einigen Wochen viel Kritik anhören.

Ein winziges Boot schaukelt auf dem gefährlich aufgewühlten Meer, darüber wölbt sich ein dunkler Himmel. Mit diesem bedrohlichen Bild beginnt das Video der australischen Regierung, mit dem Bootsflüchtlinge von der Küste des Fünften Kontinents ferngehalten werden sollen. Über dem fast schwarzen Himmel liegt ein Schriftzug in blutrot: "Auf keinen Fall. Du wirst nie in Australien leben können."

Dann kommt der Kommandeur der Küstenschutz-Missionen ins Bild. Mit eindringlicher Stimme sagt er: Jedes illegale Boot wird auf hoher See abgefangen und aus den australischen Gewässern geschleppt — damit fährt Canberra eine andere Strategie als Europa, das Flüchtlinge auf dem Mittelmeer an Land holt. Im Video fährt der General in seiner Tarnkleidung fort: Ohne Visum könne keiner kommen. Sie sollten auch nicht den Versprechen der Schmuggler glauben. "Die Regeln gelten für alle: Familien, Kinder, unbegleitete Kinder, Gebildete und Qualifizierte. Es gibt keine Ausnahmen."

Um sicherzugehen, dass die Botschaft bei möglichst vielen potenziellen Flüchtlingen ankommt, wurde das Video in 15 Sprachen aufgenommen, vor allem jenen aus dem Nahen Osten und Südasien. Viele der Tausenden Bootsflüchtlinge der vergangenen Jahre stammten aus dem Irak, Iran, Sri Lanka und Afghanistan. Hunderte schafften es dabei nicht, weil die oft seeuntauglichen Boote der Schmuggler sanken. Da nun aber die neue, konservative Regierung von Tony Abbott rigoros gegen die Asylsuchenden vorgeht, schaffte es seit Beginn des Jahres kein Boot mehr.

Einem Baby droht die Abschiebung

Jetzt lehnte ein Gericht es ab, dem in Australien geborenen Flüchtlingsbaby Ferouz ein Visum zu erteilen. Seine Eltern seien per Boot aus Myanmar gekommen, deswegen ist auch der elf Monate alte Junge ein "nicht autorisierter, maritimer Ankömmling". Weil die Mutter unter Schwangerschaftskomplikationen litt, sei der Junge in einem Hospital in Brisbane auf die Welt gekommen, berichtete der Sender ABC.

Laut den Anwälten der Familie droht ihm nun — wie auch 100 anderen Flüchtlingskindern — die Abschiebung in das Lager auf der Südseeinsel Nauru. Seit zwei Jahren schickt Australien Asylbewerber auf zwei Inselstaaten weit vor seiner Küste und bezahlt die Nachbarländer dafür. "Ferouz hat sein ganzes bisheriges Leben hinter Stacheldraht verbracht", sagt sein Anwalt. Das könne auch für den Rest seiner Kindheit noch so bleiben.

Dabei werden die Flüchtlinge laut Menschenrechtlern in den Lagern nicht menschenwürdig behandelt. Amnesty International berichtete nach einem Besuch im vergangenen Jahr, 112 Menschen müssten in einem Bunker schlafen, während andere in heißen, schlecht belüfteten Sälen für 50 Menschen die Nacht verbrächten. Manchmal stünden die Menschen stundenlang für Essen an, und auf vielen Klos gebe es keine Seife.

"Unsere Politik wird sich nicht ändern"

Aktivisten der Aktionskoalition für Flüchtlinge in Sydney berichten, die Asylsuchenden kämpften momentan häufig gegen die Wärter und versuchten auszubrechen. Der Grund: Australien hat ein Abkommen mit Kambodscha unterzeichnet; dort sollen einige bald hingebracht werden. Andere seien im Hungerstreik oder verletzten sich selbst. Sogar die von der Regierung finanzierte Menschenrechtskommission erklärte jüngst, Kinder lebten in den Zentren jahrelang unter "inadäquaten Umständen". Ihre mentale Gesundheit verschlechtere sich dort.

Das Land nimmt pro Jahr etwa 20.000 Menschen aus humanitären Gründen auf. Damit sei Australien, betont Immigrationsminister Scott Morrison, eines der drei größten Aufnahmeländer für Flüchtlinge auf der Welt — gemessen an der Bevölkerung. "(Wir) stoppen die Boote, retten Leben auf See und haben dadurch mehr Plätze unter unserem humanitären Programm für diejenigen, die unter verzweifelten Umständen überall auf der Welt warten", erklärte er. Ungesagt bleibt dabei: Auch die Bootsflüchtlinge kommen laut Menschenrechtlern überwiegend aus Ländern, wo sie verfolgt werden.

Einst war Australien ein Land, in dem Menschen aus aller Welt willkommen waren. Das Einwanderungsministerium warb noch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit einem kunterbunten Poster, auf dem ein lustiger Reiter und Schafe zu sehen sind, dazu Bäume, Blumen und Wiesen. "Australien. Land der Zukunft", steht darauf.

Nun aber stellt sich der zuständige Minister — nicht mehr nur für Einwanderung, sondern auch für Grenzschutz — in einem Video vor eine Karte und sagt: Die australische Regierung werde weiter mit harten Maßnahmen die Grenzen schützen. "Unsere Politik wird sich nicht ändern."

(dpa)