Pakistan: Armee startet "umfassenden Einsatz" gegen Islamisten

Pakistan : Armee startet "umfassenden Einsatz" gegen Islamisten

Die pakistanische Armee hat nach eigenen Angaben am Sonntag einen "umfassenden Einsatz" gegen Taliban- und Al-Kaida-Kämpfer in der Unruheregion Nord-Waziristan gestartet.

Nach dem Anschlag auf den internationalen Flughafen von Karachi geht die pakistanische Armee mit einer groß angelegten Offensive gegen Aufständische in den Stammesgebieten nahe der afghanischen Grenze vor. Bei ersten Luftangriffen in Nord-Waziristan wurden am Sonntag mehr als 80 Extremisten getötet, wie das Militär mitteilte. "Jetzt müssen wir in diesem Krieg kämpfen, in dem es ums Ganze geht", sagte Verteidigungsminister Khawaja Muhammed Asif am Abend in einem Interview. "Wir werden bis zum Ende kämpfen."

Nord-Waziristan war eines der letzten Gebiete in den Stammesregionen, in denen Pakistan bisher keine große Operation gegen Aufständische durchgeführt hatte. Extremistengruppen wie die Taliban, die Al-Kaida und das Haqqani-Netzwerk nutzen die Region, um Angriffe in Pakistan und Afghanistan durchzuführen. "Mit Nord-Waziristan als Basis haben diese Terroristen einen Krieg gegen den Staat Pakistan geführt", sagte Militärsprecher Asim Saleem Bajwa in einer Presseerklärung, in der die Operation angekündigt wurde.

Der Einsatz dürfte auch vorerst das Ende der Annäherungspolitik der Regierung an die Taliban sein. Sie hatte zuletzt - weitgehend erfolglos - versucht, dem jahrelangen blutigen Aufstand mit Verhandlungen statt Gewalt ein Ende zu bereiten. Ministerpräsident Nawaz Sharif meldete sich zunächst nicht zu Wort.

Durch den Angriff auf den Flughafen von Karachi vor einer Woche war die pakistanische Regierung noch stärker unter Druck geraten, die Rebellen zu bekämpfen. Wie viele Soldaten und Flugzeuge im Einsatz waren, blieb zunächst unklar. Doch bereits vor der Ankündigung der Großoffensive flogen Kampfjets ihre Angriffe auf Stützpunkte der Extremisten. Es gab widersprüchliche Berichte über die Zahl der Toten. Geheimdienstmitarbeiter berichteten zunächst von bis zu 100 Toten, das Militär setzte die Zahl der Opfer auf mehr als 80 fest.

Es gebe bestätigte Berichte, dass unter den Opfern örtliche und ausländische Terroristen seien, die bei der Planung des Angriffs auf den Flughafen beteiligt gewesen seien, teilte das Militär mit. Die meisten Toten seien Usbeken.

Für den Angriff auf den Flughafen in der Nacht zum vergangenen Montag hatten pakistanische Taliban und usbekische Kämpfer die Verantwortung übernommen. Zehn Taliban hatten den internationalen Airport der größten pakistanischen Wirtschaftsmetropole angegriffen. Dabei waren 36 Menschen gestorben, unter ihnen die Angreifer.

Zum Zeitpunkt der Luftangriffe am Sonntag waren die Kämpfer zusammengekommen, um über eine von der Regierung gesetzte Frist zu diskutieren, das Gebiet zu verlassen, wie pakistanische Behörden mitteilten. Diese Information konnte unabhängig nicht bestätigt werden. Die Stammesgegenden sind abgelegen, gefährlich, und es ist schwierig für Journalisten, Zugang zu ihnen zu bekommen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Taliban-Anschlag auf Flughafen von Karachi

(AP)
Mehr von RP ONLINE