Wirtschaftssanktionen beschlossen: Arabische Liga geht gegen Syrien vor

Wirtschaftssanktionen beschlossen: Arabische Liga geht gegen Syrien vor

Syrien wird in der arabischen Welt zum Paria. Die Arabische Liga hat am Sonntag scharfe Sanktionen gegen die Regierung Damaskus verhängt. Die syrische Regierung war ungeachtet aller Drohungen und Appelle weiterhin gewaltsam gegen die Opposition vorgegangen.

Die Außenminister der Liga beschlossen am Sonntag, die Handelsbeziehungen mit der syrischen Regierung auf Eis zu legen, Konten einzufrieren, Flüge auszusetzen und Verantwortliche mit einem Reiseverbot zu belegen, wie Katars Regierungschef Hamad ben Dschassem el Thani mitteilte.

Ungeachtet der drohender Sanktionen durch die Arabische Liga hielt am Wochenende die Gewalt in Syrien unvermindert an. Am Sonntag berichteten Aktivisten von schweren Gefechten zwischen Regierungstruppen und Überläufern in der Stadt Homs. Dort und landesweit wurden den Angaben zufolge mindestens acht Menschen getötet.

Nun wächst der Druck auf das Regime von Präsident Baschar Assad. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten verhängten bereits mehrfach Sanktionen gegen Syrien, darunter ein Importverbot für syrisches Öl.

Vorbehalte im Irak und Libanon

Die staatliche Zeitung "Al Thawra" kritisierte auf der Titelseite Sanktionen gegen Syrien scharf, die gegen das syrische Volk gerichtet seien. Eine solche Maßnahme widerspreche den Regeln der arabischen Zusammenarbeit.

Die Nachbarländer Irak und Libanon äußerten ebenfalls Vorbehalte. Aus Kreisen der Liga verlautete am Sonntag, mindestens zwei arabische Länder hätten vor Sanktionen gewarnt mit der Begründung, diese würden eher das Volk als das Regime treffen.

Überläufer suchen in Jordanien Schutz

  • Deutschland will Syrien stärker unter Druck setzen

Jordanien hat bisher rund 100 Überläufer der syrischen Sicherheitskräfte aufgenommen. Der jordanische Außenminister Nasser Judeh sagte am Sonntag, die Soldaten und Polizisten seien in den vergangenen acht Monaten seit Beginn des Aufstands in ihrer Heimat in Jordanien eingetroffen. Es handele sich meist um Wehrpflichtige und weniger um Offiziere. Es war die erste offizielle Bestätigung, dass Jordanien Überläufer aufnahm.

Die Golfstaaten Katar und Bahrain warnten ihre Bürger am Sonntag vor Reisen nach Syrien. Unter Verweis auf die Sicherheitslage forderten sie ihre Staatsbürger, die sich bereits dort aufhalten, zur raschen Rückkehr auf. Zwei Tage zuvor hatten die Vereinigten Arabischen Emirate eine ähnliche Reisewarnung herausgegeben.

Ehefrau eines Dissidenten verschleppt

In Kairo wurde unterdessen die schwangere Ehefrau eines syrischen Dissidenten verschleppt. Sie sei einen Tag nach ihrer Entführung freigekommen, sagte ihr Ehemann, Thaer al Naschef, am Samstag. Seine 25-jährige Frau sei am Nachmittag bewusstlos auf einer Straße in Kairo aufgefunden worden. Al Naschef machte syrische Geheimdienstagenten für die Entführung verantwortlich. Die syrische Botschaft in Ägypten wies die Entführungsvorwürfe als Lügen zurück.

Syrische Regierungstruppen lieferten sich am Samstag im Osten des Landes schwere Gefechte mit Deserteuren. Das Syrische Observatorium für Menschenrechte mit Sitz in London erklärte am Samstag, bei den Kämpfen am Freitagabend in der Ortschaft Deir el Sur seien zehn Soldaten ums Leben gekommen. Auch unter der bewaffneten Dissidenten, die sich als Freie Syrische Armee bezeichnen, habe es Opfer gegeben.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bei dem gewaltsamen Vorgehen des Regimes von Präsident Assad gegen Demonstranten seit März mehr als 3.500 Menschen getötet worden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: August 2011: Syriens Regime greift Aktivisten in Hama an

(AFP/APD)
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