Außenministerin Baerbock im Mittleren Osten Mission Frieden

Meinung · Außenministerin Annalena Baerbock versucht bei ihrer Reise nach Saudi-Arabien und zwei Golfstaaten auch eine Mission, um die blutigen Krisen in Sudan und im Jemen einzudämmen. Seit der Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Iran ist die Chance zumindest auf ein Ende des Jemen-Krieges so groß wie lange nicht mehr.

Annalena Baerbock trifft im saudi-arabischen Dschidda den Außenminister des Jemen, Ahmed bin Mubarak.

Annalena Baerbock trifft im saudi-arabischen Dschidda den Außenminister des Jemen, Ahmed bin Mubarak.

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Der nächste Krieg. Die nächste Krise. Dieses Mal ist es nicht Unterstützung für die Ukraine, der die Bundesregierung gerade eine nächste Waffenhilfe in Höhe von 2,7 Milliarden Euro zugesagt hat. Für drei Tage reist Annalena Baerbock gerade durch einen anderen Teil des globalen Krisenbogens – in den Mittleren Osten und an den Golf. Vor drei Wochen erst hat die Bundeswehr in einer ebenso gefährlichen wie lebensrettenden Aktion mehrere hundert deutsche und europäische Staatsbürger aus Sudan herausgeholt. Baerbock und Verteidigungsminister Boris Pistorius hatten sich dazu eng abgestimmt und Pistorius dafür eigens eine länger geplante USA-Reise abgesagt. Nun ist die deutsche Außenministerin in Saudi-Arabien und Katar unterwegs, wo sie die nächste Chance für eine Friedensvermittlung in der Region sucht. Doch gerade Saudi-Arabien ist wegen seiner weiter hohen Zahl an Hinrichtungen ein heikles Pflaster für die Grünen-Politikerin. Aber der ölreiche Staat ist auch ein Faktor für Frieden in der Region.

Im Jemen, dem Nachbarland Saudi-Arabiens, tobt seit Jahren ein äußerst blutiger Krieg zwischen Huthi-Rebellen, die von Iran unterstützt werden, und einer von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz, der unter anderem Ägypten, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Sudan angehören. Als hätte Sudan nicht genug damit zu tun, das eigene Land in Ordnung zu bringen. Aber so ist es oft: Je größer das Chaos Zuhause, umso mehr sucht man Verbündete und sei es, dass man sich mit ihnen in einen nächsten Krieg stürzt. Der schwelende Machtkampf rivalisierender Militärgruppen geht in Khartum und anderen Städten des Sudan mit unverminderter Härte weiter. Eine Hungersnot könnte die Lage in einem der ärmsten Länder der Welt weiter verschärfen.

Bei ihren Gesprächen in Saudi-Arabien hat Baerbock darauf gedrängt, die Dynamik der aktuellen Lage zu nutzen. Lange waren die Aussichten auf eine Eindämmung des Stellvertreter-Krieges im Jemen nicht mehr so gut wie derzeit, seit es zwischen Saudi-Arabien und Iran zu einer Annäherung gekommen ist. Natürlich auch in diesem Fall nicht freiwillig. Doch der Krieg im Jemen hat alle Beteiligten immense Geldsummen gekostet, Ressourcen verschlungen und sehr viele Menschen getötet – nach Angaben der Vereinten Nationen rund 380.000 Tote. Ein Irrsinn, wie alle Kriege auf diesem Globus, weil danach, wenn die Kriegsparteien keine Kraft mehr haben oder Geländegewinne ausbleiben, ohnehin ein Frieden ausgehandelt werden muss.

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Außenministerin Annalena Baerbock zu Besuch in China

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Foto: AP/Suo Takekuma

So wird es auch im Jemen und im Sudan sein. Die Vereinten Nationen könnten dabei eine zentrale Rolle übernehmen. Denn sie sind die Organisation zur Wahrung des Weltfriedens. Dazu haben sie sich verpflichtet, dafür sollte auch der Sicherheitsrat mit den fünf ständigen Mitgliedern USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien in der Lage sein. Doch in dieser neu polarisierten Welt befindet sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dauerblockade -- durch die Veto-Mächte Russland und teilweise auch China. Eine Waffenruhe im Jemen und im Sudan wäre ein Anfang. Wer sie am Ende vermittelt hat, dürfte den Menschen egal sein. Aber es müsste eine Waffenruhe sein, die diesen Namen auch verdient.