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Angst vor Rezession nach Corona: Trump warnt vor Zerstörung der US-Wirtschaft

US-Präsident möchte Maßnahmen lockern : Trump warnt vor Zerstörung der US-Wirtschaft durch Anti-Corona-Strategie

Der US-Präsident scheint seinen Kurs gegen das Coronavirus erneut zu wechseln. Nach anfänglicher Sorglosigkeit folgten drastische Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. Die möchte er aber schon bald wieder lockern. Ansonsten drohe seiner Einschätzung nach eine Rezession.

Die USA könnten laut UN-Experten nach Europa bald zum neuen Epizentrum der Corona-Pandemie werden - doch Präsident Donald Trump will die strikten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus möglichst noch vor Ostern lockern. „Man kann ein Land zerstören, indem man es dicht macht“, sagte Trump am Dienstag. Die Verhandlungen in Washington über ein gigantisches Hilfsprogramm für die US-Wirtschaft dauerten unterdessen an.

„Ich würde es lieben, das Land bis Ostern wieder geöffnet und in den Startlöchern zu haben“, sagte Trump im konservativen Sender Fox News. „Unser Land will zurück an die Arbeit.“ Durch eine „massive Rezession oder Depression“ drohten „mehr“ Menschen zu sterben als durch die „Grippe“ - mit diesem Wort meinte Trump offenbar die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuvor gewarnt, die USA könnten bald das neue weltweite Zentrum der Pandemie werden. „Wir sehen jetzt eine sehr starke Beschleunigung der Fallzahlen“, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris. Die USA hätten „einen sehr großen Ausbruch und einen Ausbruch, der an Intensität zunimmt“. Auch der Gouverneur des besonders betroffenen Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, schlug Alarm. Er sprach von „beunruhigenden und astronomischen Zahlen“.

Trump aber sagte zu den von US-Regionalbehörden verhängten Ausgangsbeschränkungen, die inzwischen mehr als ein Drittel der US-Bevölkerung betreffen: „Dieses Heilmittel ist schlimmer als das Problem.“ Sollten US-Unternehmen wie der Flugzeugbauer Boeing Pleite gehen, könnten „Millionen Jobs“ verloren gehen. Es könnte dann allein durch Suizide „tausende“ Tote geben, warnte der Präsident.

Später relativierte Trump seine Forderungen zur Rückkehr zur Normalität an Ostern - also in nur zweieinhalb Wochen - jedoch etwas. Die Lockerung der Beschränkungen solle nur in Landesteilen erfolgen, die wenig bevölkert seien wie etwa manche Regionen von Texas - oder in Gegenden, in denen die Pandemie als eingedämmt gelte, sagte er in einer Pressekonferenz.

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, wurden in zahlreichen US-Bundesstaaten Ausgangsbeschränkungen verhängt und nicht dringend benötigte Geschäfte geschlossen. Die wirtschaftliche Aktivität in den USA ist teilweise zum Erliegen gekommen.

Das Coronavirus breitet sich allerdings in den USA weiterhin rasant aus. Inzwischen wurden nach Angaben der Johns Hopkins University rund 54.000 Infektionen und mehr als 700 Todesfälle registriert. In Kalifornien wurde erstmals auch der landesweit erste Fall eines an Covid-19 gestorbenen Minderjährigen verzeichnet. Der Teenager sei vor der Infektion bei „guter Gesundheit“ gewesen, sagte der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti.

In Washington gingen unterdessen die Beratungen über ein Nothilfepaket mit einem Volumen von rund zwei Billionen Dollar (rund 1,87 Billionen Euro) weiter, das die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abfedern soll. Die oppositionellen Demokraten hatten zuletzt wiederholt Verfahrensabstimmungen zu dem Maßnahmenpaket blockiert.

Die Oppositionspartei bemängelte unzureichende Schutzmaßnahmen für Beschäftigte und eine fehlende Kontrolle darüber, wie Hilfen an in Not geratene Großkonzerne vergeben werden. Sie verlangte außerdem mehr Geld für Krankenhäuser, denen wegen der Pandemie eine dramatische Überlastung droht.

Der Anführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte jedoch am späten Dienstagabend nach Beratungen mit Finanzminister Steven Mnuchin, er sehe keine ausstehenden Punkte, „die nicht in den wenigen nächsten Stunden gelöst werden können“. Schon zuvor hatten optimistische Signale aus den Verhandlungen den Börsen einen Schub gegeben.

Der New Yorker Leitindex Dow Jones legte am Dienstag um rund 11,4 Prozent auf 20.704,91 Punkte zu - der stärkste prozentuale Tagesgewinn seit dem Jahr 1933. Auch im frühen Handel in Asien ging es deutlich aufwärts. In Tokio stieg der Nikkei-Index um rund 5,25 Prozent.

(c-st/AFP)