1. Politik
  2. Ausland

Irak: Amnesty berichtet von Isis-Gewaltexzessen

Irak : Amnesty berichtet von Isis-Gewaltexzessen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat das brutale Vorgehen der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS) im Irak verurteilt. Der Organisation liegen "erschütternde" Berichte vor.

"Entführungen und die Tötung Gefangener scheinen zu den gängigen Vorgehensweisen der Gruppe zu gehören, um Gegner zu vernichten und Zivilisten einzuschüchtern", teilte die Organisation am Montag mit.

Die Zivilbevölkerung sei gefangen in einer Spirale religiöser Gewalt, schrieb Amnesty-Expertin Donatella Rovera, die sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht hatte. Hunderttausende Iraker seien wegen der Gräueltaten der IS-Kämpfer sowie der zunehmenden Gefahr durch Luftangriffe der Regierungstruppen auf der Flucht. Aus jeder Stadt und Ortschaft unter Kontrolle der Dschihadisten seien Entführungen gemeldet worden.

Einige Opfer seien tot aufgefunden worden, andere würden noch vermisst. Von Einwohnern, die aus den belagerten Gebieten geflohen seien, lägen "erschütternde" Berichte vor.

Die Organisation schilderte unter anderem das Schicksal eines 18-Jährigen, der zusammen mit seinem Onkel östlich von Mossul verschleppt wurde. Die Mutter des jungen Mannes fand die von schwerer Misshandlung gezeichneten Leichen der beiden Entführten zwei Tage später. Die Familie floh daraufhin aus der Region.

Solche Angriffe auf Zivilisten seien "eine klare Botschaft an nicht-sunnitische Gemeinschaften", dass sie in den Einflussgebieten der sunnitischen Extremisten nicht sicher seien, erklärte Rovera. Aber auch bei Luftangriffen oder durch Artilleriebeschuss der irakischen Armee seien dutzende Menschen in diesen Regionen getötet worden.

"Alle Konfliktparteien haben Kriegsverbrechen und grobe Verstöße gegen die Menschenrechte begangen", betonte die Amnesty-Expertin.

Die Gruppe hatte unter dem Namen Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) vor einem Monat eine Militäroffensive im Irak gestartet. Nach ihrem Vormarsch im Norden und Westen des Iraks sowie Geländegewinnen in Syrien riefen die Dschihadisten Ende Juni einen grenzüberschreitenden islamischen Gottesstaat aus und benannten sich um.

Am Wochenende rückten die Kämpfer weiter auf die Hauptstadt Bagdad vor. Sie eroberten nach Angaben örtlicher Behörden große Teile der 80 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Dhuluidscha.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronologie des Aufstiegs des IS im Irak

(DEU)