Alexis Tsipras: Sein Spiel kann aufgehen

Griechenland und der Euro : Alexis Tsipras' Spiel kann aufgehen

Das Schreckgespenst "Grexit" geht um in Europa. Mit Zugeständnissen und Drohungen versucht Athen die Geberländer gefügig zumachen. Ministerpräsident Alexis Tsipras pokert hoch. Am Ende könnte er gewinnen, weil es einigen Euro-Partnern an Chuzpe feht.

Es kann gut sein, dass das Spiel des Alexis Tsipras aufgeht. Dieses Spiel ist einfach, es heißt: Entweder ihr gebt mir mehr Geld auch zu meinen Konditionen - oder es droht der "Grexit" mit allen seinen schwer vorhersehbaren Folgen für die Euro-Zone insgesamt.

Das Risiko des unfreiwilligen Ausscheidens Griechenlands aus der Euro-Zone ist für Deutschland und den Rest Europas tatsächlich immer noch groß. Der "Grexit" würde zweifellos erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen. Die offene Frage, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Kollegen umtreibt, lautet: Wie schnell sich die Märkte danach wieder beruhigen? Spekulanten könnten auch Portugal, Spanien oder gar Italien angreifen. Für dieses Worst-Case-Szenario dürfte die Europäische Zentralbank in Absprache mit den Euro-Finanzministern derzeit bereits Schutzmaßnahmen vorbereiten.

Die Finanzminister der Euro-Zone, die am Mittwochnachmittag in Brüssel zusammen kommen, werden zunächst noch auf Zeit spielen. Denn einige Tage bleiben ihnen noch. Die Griechenland-Frage wird erst in allerletzter Minute, wahrscheinlich Ende Februar oder sogar Anfang März, beantwortet. Wieder wird dann die Krisenmanagerin Angela Merkel gefragt sein, die sich mit den EU-Staats- und Regierungschefs auf höchster Ebene über die Bedingungen des Verbleibs Griechenlands in der Euro-Zone einig werden muss .

Es ist unwahrscheinlich, dass am Ende alle 18 Euro-Partner wirklich die Chuzpe haben werden, Griechenland über die Klinge springen zu lassen. Mindestens einer von ihnen wird ausscheren — aus Angst vor einer unkalkulierbaren Kettenreaktion. Das weiß Tsipras. Deshalb kann er sich in diesem schrecklichen Spiel eine relativ hohe Erfolgswahrscheinlichkeit ausrechnen.

Am Ende muss neben anderen nationalen Parlamenten allerdings der Deutsche Bundestag über neue Hilfen für Griechenland entscheiden. Die Konditionen dafür werden andere sein, als sie im bisherigen Rettungsprogramm stehen. Es wird Schäubles heikle Aufgabe sein, den Koalitionsabgeordneten zu erklären, warum sie einem an einigen Stellen abgespeckten und geänderten neuen Programm für Griechenland zustimmen sollen.

Im Bundestag dürften zwar mindestens auch die Grünen für ein solches neues Programm votieren. Würde die Koalition aber keine eigene Mehrheit dafür erzielen, hätte Tsipras einen Keil nicht nur in die Gemeinschaft der Euro-Staaten, sondern auch in die Berliner Koalition getrieben.

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(mar-)
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