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Alexej Nawalny: Russland stellt dem Kremlkritiker ein Ultimatum

Kremlkritiker : Russland stellt Nawalny ein Ultimatum

Der russische Gefängnisdienst sieht Nawalny als genesen an und fordert deshalb, der nach einer Vergiftung in Deutschland behandelte Kremlkritiker solle sich persönlich bei der Behörde melden - und zwar schnell.

Der russische Gefängnisdienst hat dem Kremlkritiker Alexej Nawalny am Montag eine Frist von einem Tag gesetzt, um sich persönlich im Büro der Behörde zu melden. Andernfalls drohe ihm eine Inhaftierung, sollte er nach Ablauf der Frist nach Russland zurückkehren.

Nawalny war im August während eines Inlandsfluges bewusstlos geworden und wurde schließlich zur Behandlung nach Deutschland geflogen. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen hat nachgewiesen, dass Nawalny dem zu Sowjetzeiten entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt war. Nawalny macht den Kreml für den Anschlag verantwortlich, die russischen Behörden bestreiten eine Verwicklung. Nawalny hält sich zur Genesung weiter in Deutschland auf.

Der russische Bundesgefängnisdienst veröffentlichte am Montag eine Erklärung, wonach aus einem im Fachblatt „The Lancet“ erschienen Artikel seiner Ärzte an der Berliner Charité hervorgehe, dass Nawalny vollständig genesen sei. Deshalb müsse er sich im Einklang mit den Bedingungen einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe im Zusammenhang mit einem Urteil aus dem Jahr 2014, die ausgesetzt wurde, vor Ort melden.

Nawalnys Anwalt Wadim Kobsew twitterte, die Behörde habe als Termin Dienstagmorgen genannt. Nalwalny spottete über die Forderung und erklärte, der Hinweis auf den Artikel in „The Lancet“ komme einer Anerkennung durch die Regierung gleich, dass er vergiftet worden sei. „Das bedeutet, dass der Staat die Vergiftung offiziell anerkannt hat“, twitterte er. „Und wo ist dann der Kriminalfall?“ Zuvor hatte er erklärt, er werde nach seiner Genesung nach Russland zurückkehren.

Vergangene Woche veröffentlichte Nawalny auf Youtube ein Telefonat, das er nach eigenen Angaben mit einem Geheimdienstbeamten geführt hat. Darin räumte der Mann seine Beteiligung in die Vertuschung des mutmaßlichen Giftanschlags ein. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB sprach von einer Fälschung.

(peng/dpa)