Ajatollah Chamenei warnt Iraner vor „Clown“ Trump

Irans oberster Führer : Ajatollah Chamenei warnt Iraner vor „amerikanischen Clowns“

Erstmals seit acht Jahren wendet sich der oberste Führer des Irans in einer Freitagspredigt an sein Land. Der Volkszorn ist groß: Not, hohe Preise und dann noch der vertuschte Abschuss einer Passagiermaschine. Die USA bekunden offen Unterstützung für die Demonstranten.

Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei hat in einer Freitagspredigt gegen die USA ausgeteilt: „Amerikanische Clowns“ sagten fälschlicherweise, sie stünden an der Seite der protestierenden Iraner, erklärte er. Sie würden aber lügen und wollten der iranischen Nation letztlich bloß einen „giftigen Dolch“ in den Rücken rammen. US-Präsident Donald Trump nannte er nicht namentlich, es war aber klar, dass er sich auf ihn und dessen Regierung bezog. Chamenei hielt seine erste Freitagspredigt seit acht Jahren, Tausende Gläubige nahmen teil.

Die iranische Führung ist massiv unter Druck, weil sie ihr Volk und den Rest der Welt über den Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran mit 176 Toten belogen hatte. Nachdem die iranische Revolutionsgarde nach dreitägigen Dementis eingeräumt hatte, das Flugzeug im aufgeheizten Konflikt mit den USA versehentlich abgeschossen zu haben, kam es zu Protesten. Einsatzkräfte schlugen sie mit Tränengas und scharfer Munition nieder. Trump bekundete - unter anderem in Tweets auf Persisch - seine Unterstützung für die Demonstranten.

Chamenei sagte in seiner Predigt, der Abschuss des Flugzeugs sei ein „bitterer Unfall“ gewesen. Den wollten die Feinde des Irans nun nutzen, um die Islamische Republik und die Revolutionsgarde in Frage zu stellen. Doch der Massenauflauf bei der Beerdigung des von den USA getöteten Generals Kassem Soleimani habe gezeigt, dass die Iraner noch hinter ihrer Führung stünden. Diese Trauerprozessionen fanden allerdings in den Tagen vor dem Abschuss der Maschine statt.

Der Iran hatte nach der Tötung Soleimanis im benachbarten Irak dort zwei von den USA genutzte Militärstützpunkte angegriffen. Der Vergeltungsschlag habe die Stellung der Vereinigten Staaten als Supermacht beschädigt, sagte Chamenei weiter. Die echte Bestrafung der USA für den „feigen“ Angriff werde aber ihr erzwungener Abzug aus der Region sein. Die Gläubigen unterbrachen seine Rede immer wieder mit den Rufen „Gott ist groß“ und „Tod für Amerika“.

Chamenei, der in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort hat, hatte zuletzt im Februar 2012 eine Freitagspredigt gehalten und damals Israel als „Krebsgeschwür“ beschimpft. Außerdem warnte er Trumps Vorgänger Barack Obama vor Angriffen auf Irans Atomprogramm, für die sein Land auf zehnmal härtere Art und Weise Vergeltung üben würde.

Noch unter Obama schloss der Iran 2015 ein Abkommen zur Begrenzung seines Atomprogramms. Es sollte verhindern, dass die Islamische Republik eine Atombombe baut. Doch Trumps Regierung stieg einseitig aus der Vereinbarung aus und verhängte neue Sanktionen gegen Teheran, die dem Land wirtschaftlich schwer zusetzen. Bereits im November war es im Iran zu Demonstrationen gegen eine Erhöhung des Benzinpreises gekommen, die aber brutal niedergeschlagen wurden. Hunderte Menschen wurden nach Angaben von Menschenrechtlern dabei getötet.

Der Iran hat wegen der US-Sanktionen seine Verpflichtungen aus dem Atomabkommen Stück für Stück nicht mehr eingehalten und nach der Tötung Soleimanis komplett ausgesetzt. Daraufhin lösten die europäischen Vertragsparteien Deutschland, Großbritannien und Frankreich am Dienstag den sogenannten Streitschlichtungsmechanismus des Abkommens aus, der den Iran zu Verhandlungen zwingen soll.

Chamenei sagte, die europäischen Staaten seien zu schwach, um den Iran in die Knie zu zwingen und bezeichnete sie als Amerikas Gehilfen. Gleichwohl sei er bereit, über das Atomabkommen zu verhandeln - allerdings nicht mit Washington.

(zim/dpa)