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Atomstreit: Ahmadinedschad - Ein paar Schwächlinge können Iran nichts anhaben

Atomstreit : Ahmadinedschad - Ein paar Schwächlinge können Iran nichts anhaben

Teheran (rpo). Nach den Forderungen von US-Außenministerin Condoleezza Rice, im Atomstreit mit dem Iran alle Möglichkeiten auszuschöpfen, hat sich das iranische Staatsoberhaupt Ahmadinedschad zu Wort gemeldet. Er reagierte gewohnt provokant.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich nach der Androhung von Militärgewalt gegen sein Land selbstbewusst gezeigt. "Gott sei Dank ist der Iran heutzutage eine mächtige Nation, und wir werden aus einer Position der Stärke heraus mit der Welt im Dialog stehen", sagte er einem Fernsehbericht zufolge am Freitag bei einer Rede im Nordosten des Landes. "Ein paar Schwächlinge" könnten gegen den Iran nichts ausrichten.

Die US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte am Donnerstag die Verabschiedung einer UN-Resolution gefordert, die den möglichen Einsatz von Waffengewalt einschließt. Dass Teheran die erfolgreiche Uran-Anreicherung verkündet habe, müsse bei der nächsten Sitzung des UN-Sicherheitsrates Folgen haben. Es gebe keinen Zweifel daran, "dass der Iran sich weiterhin dem Willen der internationalen Gemeinschaft widersetzt". Teheran hatte am Dienstag offiziell verkündet, Uran erfolgreich angereichert zu haben.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei, kritisierte unterdessen nach einem Besuch in Teheran, der Iran habe der IAEA in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Aktivitäten verheimlicht. "Das Bild ist noch immer trüb und nicht sehr klar", sagte der IAEA-Chef auf einer Pressekonferenz. In seinen Gesprächen habe er auch auf die Forderung der Vereinten Nationen verwiesen, der Iran sollte die besonders umstrittene Urananreicherung bis zur Klärung der offenen Fragen aussetzen.

Urananreicherung wird nicht aufgegeben

Der bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesende iranische Chefunterhändler für das Atomprogramm, Ali Laridschani, wies diese Forderung umgehend zurück. Präsident Mahmud Ahmadinedschad reklamierte für sein Land am Donnerstag erneut den Status einer Macht mit eigenständigem Atomprogramm und betonte, Urananreicherung dürfe keinesfalls wieder aufgegeben werden.

Russland lud die EU, die USA und China zu einer neuen Verhandlungsrunde über das iranische Atomprogramm ein. Die Gespräche sollten am Dienstag in Moskau stattfinden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Freitag unter Berufung auf das russische Außenministerium. Für die USA wird voraussichtlich Außenstaatssekretär Nicholas Burns an den Gesprächen teilnehmen, der nach Angaben der amerikanischen Botschaft in Moskau am Montag zu einem Treffen der politischen Direktoren der G-8-Gruppe in Russland erwartet wird. Die chinesische Regierung wollte am Freitag den stellvertretenden Außenminister in den Iran und nach Russland entsenden.

Der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko, wies unterdessen darauf hin, dass der Iran von einer Urananreicherung in industriellem Umfang noch weit entfernt sei. Mit den 164 Zentrifugen, die nach iranischen Angaben bislang in der Atomanlage Natans eingesetzt wurden, könne der Iran nur "eine Anreicherung auf ein niedriges Niveau in unbedeutenden Mengen" erreichen, sagte Kirijenko. Der Iran hat allerdings angekündigt, schon bis zum Jahresende sollten 3.000 Zentrifugen zum Einsatz kommen, langfristig sogar 54.000.

Die französische Regierung kündigte eine harte Linie im UN-Sicherheitsrat an, sollte der Iran die Forderungen der internationalen Gemeinschaft nicht erfüllen. In dem Fall werde das UN-Gremium seiner Verantwortung gerecht werden und die "notwendigen Maßnahmen" ergreifen, erklärte Außenminister Philippe Douste-Blazy im RTL-Radio. Frankreich sei sehr beunruhigt über die Äußerungen Teherans zu den Erfolgen beim Ausbau des Atomprogramms, die den Forderungen der IAEA und des Weltsicherheitsrats diametral entgegenliefen. Keine zivile Nutzung der Kernenergie rechtfertige diese Urananreicherung, sagte der Außenminister.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Konflikt um Irans Atomanlagen

(ap)