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Afghanistan: Taliban wollen Frauen und Mädchen Sport komplett verbieten

Afghanistan : Taliban wollen Frauen und Mädchen Sport komplett verbieten

Frauensport ist weder angemessen noch notwendig. So zumindest sieht es der für Kultur Zuständige in der neuen Taliban-Regierung Afghanistans. Deshalb wird dem weiblichen Teil der Bevölkerung des Landes das Ausüben von Sportübungen verboten.

Für Frauen und Mädchen in Afghanistan soll künftig Sport nicht mehr erlaubt sein. Das berichtete der australische Sender SBS News am Mittwoch nach einem Interview mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kulturkommission der radikalislamischen Taliban, Ahmadullah Wasik. Bei der Sportausübung, etwa beim Cricket, bestehe die Gefahr, dass das Gesicht oder der Körper von Frauen unbedeckt zu sehen sei. Frauensport sei weder angemessen noch notwendig, argumentierte Wasik. Seine Bemerkungen folgte einen Tag nach der Vorstellung der neuen Taliban-Regierung, in der Hardliner klar dominieren. Zahlreiche afghanische Sportlerinnen sind bereits aus Afghanistan geflohen.

Gleichzeitig gingen in Städten wie Kabul und Herat Proteste gegen die Taliban weiter. Hunderte Afghanen hatten am Dienstag in Kabul den neuen Machthabern getrotzt und gegen den Einfluss Pakistans auf das Land protestiert. Taliban-Kämpfer schossen in die Luft, um die Menge vor der pakistanischen Botschaft zu zerstreuen. Berichten zufolge sollen dabei zwei Menschen getötet worden sein. Auch vor der Kardan-Universität in Kabul kam es zu Auseinandersetzungen zwischen protestierenden Studentinnen und Taliban-Kämpfern.

Unterdessen hat sich der vor gut drei Wochen vor den Taliban geflüchtete Ex-Präsident Aschraf Ghani beim afghanischen Volk entschuldigt. „Es war nie meine Absicht, das Volk im Stich zu lassen“, teilte er in einer am Mittwoch auf Twitter veröffentlichten Erklärung mit. Er habe mit seiner Flucht heftige Kämpfe wie während des Bürgerkrieges in den 1990er-Jahren in der Hauptstadt Kabul verhindern wollen.

Ghani wies erneut Vorwürfe zurück, dass er bei seiner Flucht „Millionen Dollar, die dem afghanischen Volk gehören“, mitgenommen habe. „Diese Beschuldigungen sind vollständig und kategorisch falsch.“ Er stelle sich jeder unabhängigen Untersuchung. Der afghanische Botschafter in Tadschikistan etwa hatte Ghani des Diebstahls von 169 Millionen Dollar (144 Millionen Euro) an staatlichen Mitteln beschuldigt.

Ghani war am 15. August überstürzt aus Kabul ins Ausland geflüchtet, nachdem Kämpfer der Taliban nach massiven militärischen Gebietsgewinnen und der Eroberung aller Provinzhauptstädte Kabul umstellt hatten. Vertreter der Taliban sagten, es sei nicht ihre Absicht gewesen, die Stadt anzugreifen. Die Flucht Ghanis hatte wohl eine geordnete Machtübergabe verhindert. Als Ghani und seine wichtigsten politischen Mitstreiter geflohen waren, rückten die Islamisten in der Stadt ein, um, wie sie sagten, kein Sicherheitsvakuum entstehen zu lassen. Viele Afghanen werfen Ghani heute vor, sie an die Taliban ausgeliefert zu haben.

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Ghani schrieb in seiner neuen Stellungnahme, er bedaure, dass sein eigenes Kapitel in „ähnlicher Tragödie“ endete wie das seiner Vorgänger - „ohne Stabilität und Wohlstand zu gewährleisten“. Er entschuldige sich beim Volk, dass er es nicht anders habe beenden können. Ghani hatte zuvor mitgeteilt, dass er sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhalte.

(felt/epd)