Afghanistan: Pentagon-Chef nach Megabomben-Abwurf zu Besuch

Jim Mattis in Afghanistan : Pentagon-Chef nach Megabomben-Abwurf zu Besuch in Kabul

Der US-Verteidigungsminister Jim Mattis ist am Montag unangekündigt nach Kabul gereist. Der Besuch des Pentagon-Chefs erfolgt knapp zwei Wochen nach dem Abwurf der größten nicht-atomaren US-Bombe in Afghanistan.

Wenige Stunden vor Mattis' Ankunft traten sein afghanischer Kollege Abdullah Habibi und Armeechef Kadam Schah Schahim zurück. Die Sicherheitslage in Afghanistan ist äußerst instabil - was zuletzt ein Anschlag der Taliban mit mehr als 130 Toten am Freitag zeigte. Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan wurde Ende 2014 offiziell für abgeschlossen erklärt, allerdings sind weiterhin 8400 US-Soldaten und weitere 5000 Mann aus anderen Nato-Staaten am Hindukusch stationiert.

Mattis reiste nach eigenen Angaben nach Afghanistan, um für US-Präsident Donald Trump eine Einschätzung des aktuellen Standes in dem Konflikt zu erstellen. Der Krieg in Afghanistan ist der längste in der US-Geschichte. Der Anschlag vom Freitag war offenbar der blutigste Taliban-Anschlag auf das afghanische Militär, auch wenn am Montag weiter keine übereinstimmenden Zahlen zu den Opfern vorlagen.

Örtliche Behördenvertreter sprachen von 130 bis 160 Toten. Die Behörden in Kabul nannten die Zahl von mehr als hundert Toten und Verletzten. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, der "folgenschwere Anschlag" sei "bitter". Die afghanischen Sicherheitskräfte müssten aus der Untersuchung des Vorfalls "ihre Schlüsse ziehen".

Außenamtssprecher Martin Schäfer erinnerte daran, die Bundesregierung stehe hinsichtlich des Engagements in Afghanistan bei der internationalen Staatengemeinschaft und der afghanischen Regierung "im Wort", "dass wir nicht einfach das Weite suchen".

Bei dem Anschlag waren zehn Angreifer in afghanischen Uniformen und mit Sprengstoffwesten auf ein Militärgelände nahe Masar-i-Scharif vorgedrungen. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Ein Sprecher des Militärgeländes sagte am Montag, rund zehn Verdächtige würden wegen des Anschlags verhört.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl wandte sich angesichts der weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan gegen weitere Abschiebungen in das Bürgerkriegsland. "Hunderte Tote und Verletzte am Freitag. Bund und Länder müssen die Abschiebung in ein Kriegs- und Krisengebiet stoppen", forderte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt in Berlin.

Pro Asyl verwies auf eine aktuelle Analyse von US-Experten, wonach die afghanische Regierung inzwischen nur noch in etwas mehr als der Hälfte des Landes die Kontrolle oder überhaupt maßgeblichen Einfluss ausübe. Unter Berufung auf das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) hieß es weiter, allein seit Jahresbeginn habe es in Afghanistan fast 59.000 neue Binnenvertriebene gegeben. In 26 der 34 Provinzen Afghanistans wurden demnach Vertreibungen aufgrund von Kampfhandlungen verzeichnet.

Kritik an der geplanten neuen Sammelabschiebung kam auch von Grünen und Linken. Es sei "unfassbar und unverantwortlich", dass die Bundesregierung die Verschlechterung der Sicherheitslage "leugnet", um die verschärften Abschiebungen rechtfertigen zu können, sagte die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke der "Passauer Neuen Presse".

Das Blatt zitierte aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken, wonach die Anerkennungsquote für Flüchtlinge aus Afghanistan in Deutschland auf nur noch 47,9 Prozent gesunken ist.

(isw/AFP)