Leben in Afghanistan Moralpolizei der Taliban verbreitet Angst und Schrecken

New York/Kabul · Willkürliche Festnahmen, Drohungen und Gewaltanwendungen: Unter der Moralpolizei herrscht in Afghanistan ein Klima der Angst, wie die UN-Mission berichtet. Das zuständige Ministerium der Taliban reagiert prompt auf die Vorwürfe.

Ein Taliban-Kämpfer in Kabul während eine Frau vorbeigeht (Symbol-/Archivbild).

Ein Taliban-Kämpfer in Kabul während eine Frau vorbeigeht (Symbol-/Archivbild).

Foto: dpa/Ebrahim Noroozi

Unter der Moralpolizei der Taliban in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen in Teilen der Bevölkerung ein Klima der Angst und Einschüchterung breit gemacht. Erlasse und einige Methoden zu deren Durchsetzung stellten einen Verstoß gegen die Menschenrechte und fundamentale Freiheiten dar, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der UN-Mission in Afghanistan. Die Strafen bei Verstößen gegen die Vorgaben seien oft willkürlich, unvorhersehbar, drakonisch und unverhältnismäßig. Es seien Totalverbote verhängt worden, die diskriminierende Auswirkungen auf Frauen hätten.

Unmittelbar nach ihrer Machtübernahme im Sommer 2021 richteten die Taliban ein Ministerium für die „Verbreitung von Tugenden und die Verhinderung von Lastern“ ein. Seitdem setzt diese Behörde von der Taliban-Führung erlassene Dekrete durch, die sich vor allem auf das Leben von Frauen und Mädchen auswirken - etwa Kleidervorschriften und eine nach Geschlechtern getrennte Schul - und Berufsausbildung. Frauen dürfen zudem nicht ohne männliche Begleitung reisen.

Die UN-Mission dokumentierte nach eigenen Angaben zwischen August 2021 und März 2024 mindestens 1033 Fälle, in denen Bedienstete des sogenannten Tugendministeriums bei der Durchsetzung von Anordnungen Gewalt angewandt hätten. Dadurch sei das Recht der Betroffenen auf Freiheit sowie körperliche und geistige Unversehrtheit verletzt worden. Von Bedrohungen, willkürlichen Festnahmen und Misshandlungen seien zumeist Männer betroffen, die wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Taliban-Erlasse bestraft würden oder weil ihre weiblichen Verwandten diese nicht eingehalten hätten, hieß es.

Dramatische Szenen in Kabul
12 Bilder

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Foto: AP/Rahmat Gul

Das Taliban-Ministerium wies die Erkenntnisse aus dem UN-Report als falsch zurück. Dekrete und relevante Rechtsdokumente seien dafür gedacht, die Gesellschaft zu reformieren, hieß es in einer Erklärung. Deren Durchsetzung sollte sichergestellt sein.

(felt/dpa)