Afghanistan: James Mattis und Jens Stoltenberg unangekündigt in Kabul

Mattis und Stoltenberg in Afghanistan: Mindestens fünf Tote bei US-Besuch in Kabul

Unangekündigt sind Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und US-Verteidigungsminister James Mattis in die afghanische Hauptstadt Kabul geflogen. Während ihres Besuchs sind bei einer Serie von Raketeneinschlägen mindestens fünf Menschen getötet worden.

Das bestätigten am Mittwochabend mehrere Regierungssprecher. Die Besucher waren am Morgen in Kabul eingetroffen. Nur wenige Stunden später flogen am und nahe dem Flughafen von Kabul Raketen und Mörsergeschosse.

Afghanische Regierungssprecher sprachen von drei oder sechs Raketen. Sie sind bekannt dafür, Schadensberichte nach Angriffen von Extremisten kleinzuhalten. Reporter des Senders Tolo TV berichteten wiederum von 20 bis 30 Raketen.

Sowohl die Taliban als auch der Islamische Staat (IS) bekannten sich zu dem Anschlag. Ziel sei das Flugzeug von Mattis gewesen, twitterte ein Talibansprecher. Stoltenberg und Mattis waren aber nicht in der Nähe des Anschlags. Der IS ließ verlauten, Kämpfer hätten den militärischen Teil des Flughafens angegriffen, darunter "mehrere Flugzeuge" (in der arabischen Version hieß es: "einen US-Jet"). Ob Flugzeuge, besonders die der Besucher, beschädigt wurden, ließ sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

Einige oder alle der Geschosse waren offenbar von vier Angreifern aus einem Privathaus im Viertel Paktia Kot nahe dem Flughafen abgefeuert worden. Sicherheitskräfte belagerten das Haus von Mittag an. Erst um 18.15 Uhr (Ortszeit) habe die Operation mit dem Tod der Männer geendet, bestätigte der Sprecher der Kriminalpolizei der Stadt, Mohammad Salim Almas. "Wir mussten zwei Luftangriffe mit einer Drohne verüben, weil die Angreifer ein Geschütz benutzt haben, das immer weiter Granaten abgefeuert hat", sagte Almas.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani US-Verteidigungsminister James Mattis in Kabul. Foto: dpa, RG joh wie
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Zusätzlich zu den drei Angreifern seien mindestens ein Zivilist getötet und elf verletzt worden als eine Rakete in einem Privathaus einschlug, sagte Innenministeriumssprecher Nadschib Danisch.

Stoltenberg und Mattis waren unter anderem nach Kabul gekommen, um die neue, vor einem Monat von US-Präsident Donald Trump verkündete Afghanistan-Strategie der USA sowie den verstärkten Nato-Einsatz auch dort vorzustellen. Am Mittag gaben sie eine Pressekonferenz mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. Wichtigste Botschaft: Die Welt stehe zusammen gegen die, die sich in Afghanistan "an die Macht töten wollen" - "radikalislamische Taliban, Hakkanis, Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und al Kaida".

Die US-Strategie sieht nach Jahren des Abzugs von internationalen Soldaten nun eine Aufstockung von mindestens 3000 US-Soldaten vor. Auch viele Nato-Länder hätten eine Verstärkung ihrer Kontingente versprochen, sagte Nato-Chef Stoltenberg. Eine Gesamtzahl wollte er aber auch in Kabul nicht preisgeben.

Die Sicherheitslage hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Die radikalislamischen Taliban sollen mittlerweile wieder rund elf Prozent des Landes kontrollieren. Weitere 30 Prozent sind umkämpft. "Wir geben diesen Kampf nicht auf", sagte Mattis.

(veke)