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Afghanistan: IS bekennt sich zu Anschlag auf Militärkrankenhaus in Kabul

Afghanistan : IS bekennt sich zu Anschlag auf Militärkrankenhaus in Kabul

Kabul kommt nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban nicht zu Ruhe. Am Dienstag hat es vor einem Militärkrankenhaus in der Stadt Explosionen gegeben. Mindestens 25 Menschen sind tot, mehr als 50 verletzt.

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag auf das größte Militärkrankenhaus in Afghanistan in Kabul für sich beansprucht. Die radikal-islamische Organisation bekannte sich am Dienstag über ihr Sprachrohr Amak zu der Tat. Bei dem Anschlag auf die Klinik waren mindestens 25 Menschen getötet worden. Dem Innenministerium zufolge kam es am Eingang des Krankenhauses im Stadtzentrum zu zwei Explosionen. Danach sollen Schüsse abgefeuert worden sein. Augenzeugen zufolge sollen IS-Kämpfer in das Krankenhaus eingedrungen sein und sich Gefechte mit Sicherheitskräften geliefert haben, wie die Nachrichtenagentur Bachtar meldete.

Ein Vertreter der Taliban teilte mit, der Angriff sei von einem Selbstmordattentäter eingeleitet worden. Dieser sei auf einem Motorrad unterwegs gewesen und habe sich am Eingang des Hospitals in die Luft gesprengt. Auch seien andere Angreifer beteiligt gewesen, die inzwischen getötet worden seien. Die Attacke sei vorbei.

Nahe der Klinik hatten sich zuvor zwei Explosionen ereignet. Die Taliban und ein Augenzeuge berichteten dann von Schüssen innerhalb des Krankenhauses. Ein während des Angriffs in der Klinik befindlicher Arzt des Sardar-Mohammad-Daud-Chan-Krankenhauses berichtete der Nachrichtenagentur AFP von einer heftigen Explosion am ersten Kontrollpunkt zu der Klinik und Schüssen. Das Personal sei aufgefordert worden, die Schutzräume aufzusuchen.

"Ich glaube, die Angreifer gehen von Zimmer zu Zimmer wie beim ersten Mal, als es (dasselbe Krankenhaus) attackiert wurde", sagte der Arzt noch während des Angriffs. Mit seinem Vergleich bezog er sich auf einen Anschlag im Jahr 2017. Damals hatten sich bewaffnete Angreifer als medizinisches Personal verkleidet und mindestens 30 Menschen getötet.

Nach Angaben der Taliban gab es eine Explosion am Eingang des Hospitals und eine zweite in dessen Nähe. Spezialkräfte der Taliban wurden daraufhin zu dem Krankenhaus entsandt. Dort werden verletzte Kämpfer sowohl der Taliban als auch der früheren afghanischen Sicherheitskräfte behandelt.

Sirenen waren zu hören, Krankenwagen rasten zum Anschlagsort. AFP-Journalisten sahen Taliban-Kämpfer auf gepanzerten Fahrzeugen, die zum Tatort rasten.

Eine italienische Nichtregierungsorganisation, die in Kabul ein eigenes Krankenhaus betreibt, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, es seien neun Verletzte vom Anschlagsort in ihre Klinik gebracht worden.

Nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban im August im Zuge des Abzugs der internationalen Truppen hat die mit ihnen verfeindete IS-Miliz bereits mehrfach Anschläge verübt. Die Taliban, die bislang vom Ausland nicht als neue Machthaber anerkannt werden, sehen sich bei ihrem Übergang von einer aufständischen Gruppe hin zu einer Regierung zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Dazu zählen die sich verschlechternde humanitäre Lage sowie eine schwere wirtschaftliche Krise.

(peng/th/dpa)