Afghanistan: Deutsche Botschaft bei Anschlag in Kabul massiv beschädigt

Afghanistan: Deutsche Botschaft in Kabul bei Anschlag massiv beschädigt

Nach der Explosion: Aufräumarbeiten vor der deutschen Botschaft in Kabul

Es war einer der schwersten Anschläge in der afghanischen Hauptstadt seit Jahren. Auch die deutsche Botschaft in Kabul ist erheblich beschädigt worden: Dutzende Fenster wurden eingedrückt. Unter den Botschaftsmitarbeitern gab es einen Toten und Verletzte.

Bei dem schweren Autobombenanschlag in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 90 Menschen getötet worden. Rund 400 weitere wurden verletzt, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Ismail Kawusi, am Mittwoch sagte.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, auch ein afghanischer Wächter der deutschen Botschaft sei umgekommen, zudem seien mehrere Bedienstete verletzt worden. Das Hauptgebäude der Botschaft im schwer gesicherten Diplomaten- und Regierungsviertel wurde massiv beschädigt. Wie Fotos zeigen, sprengte die Explosion unter anderem Dutzende Fensterscheiben heraus.

Die deutsche Botschaft in Kabul nach dem Anschlag. Foto: rtr, MI/ems

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Autobombenanschlag. Die radikalislamischen Taliban ließen aber verlauten, sie seien es nicht gewesen. Ähnliche Anschläge hatte zuletzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.

Der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, sagte, der oder die Attentäter könnten einen schwarzen Tanklastwagen für Wasser mit Sprengstoff befüllt haben. "Aber weil die Explosion so schwer war, können wir das noch nicht mit Sicherheit sagen. Vom Tanker ist kaum noch etwas übrig." Die Wucht der morgendlichen Explosion habe mindestens 50 Fahrzeuge zerstört.

Es ist der achte schwere Anschlag in Kabul seit Jahresbeginn. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet oder verletzt.

Auch die französische Botschaft wurde beschädigt. "Wir sind dabei, die Nationalität der Opfer und das Ausmaß der materiellen Schäden zu überprüfen", erklärte der Sprecher des Außenministerium in Paris.

In dem massiv beschädigten Hauptgebäude der deutschen Botschaft, das hinter einer Mauer zur Straße liegt, haben auch der Botschafter und sein Stellvertreter ihre Büros. Mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraute Quellen sagen, es sei geplant gewesen, den Schutz zu verstärken und Büros weiter in andere Gebäude im Inneren des Geländes zu verlegen. Man habe sich in diesem Haus an einer belebten Straßenecke exponiert gefühlt. Bilder zeigten ausgebrannte Autowracks und eine stark beschädigte Außenmauer der Botschaft.

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Im Winter war bei einem ähnlichen Angriff das deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan schwer beschädigt worden. Die Konsulatsmitarbeiter arbeiten nun aus dem deutschen Militärlager heraus.

Nach Angaben des Innenministeriums detonierte die Bombe an einer viel befahrenen Straße zwischen der deutschen Botschaft und einem Sicherheitsposten am Sanbak-Platz. Die Straße ist eng und wird an beiden Seiten von hohen Sprengschutzmauern begrenzt.

Was das Ziel war, blieb zunächst unklar. Aus einer Stellungnahme der Nato-Mission Resolute Support scheint hervorzugehen, dass afghanische Sicherheitskräfte verhindert haben, dass das Fahrzeug in eine gesicherte Zone Richtung Nato-Hauptquartier und Präsidentenpalast eindringen konnte.

Explosion in Kabul: Rauchwolke über dem Diplomatenviertel

In den Vierteln liegen aber auch viele andere Botschaften und afghanische Ministerien. Tausende Mitarbeiter dieser Ministerien, von Botschaften und anderen Büros waren zur Zeit der Explosion gegen 8.30 Uhr (Ortszeit) auf dem Weg zur Arbeit.

Ein Hauptquartier von Afghanistans größter Telekommunikationsfirma Roshan liegt ebenfalls sehr nahe dem Anschlagsort. Der Sender Tolo TV meldete, viele der Opfer seien Roshan-Mitarbeiter.

Die Nato-Mission Resolute Support ließ verlauten, man sei dabei zu überprüfen, wie es allen Nato-Mitarbeitern gehe. Afghanische Medien berichteten, es seien nun ausländische Soldaten am Ort der Explosion.

Deutschland will am Mittwochabend wieder abgelehnte afghanische Asylbewerber zurück nach Kabul schicken. Die deutsche Bundesregierung beschreibt Kabul oft als sicher.

(th/dpa/isw/ap)