Abzug der USA aus Syrien: John Bolton muss Donald Trump einfangen

Abzug der USA aus Syrien : Trumps Berater beruhigt die Israelis

In der Frage des US-Rückzugs aus Syrien kassiert das Weiße Haus die Ankündigungen des Präsidenten.

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird, schon gar nicht, wenn es aus der Küche des US-Präsidenten kommt. Donald Trumps Sicherheitsberater John Bolton zum Beispiel hat jetzt die Gemüter in Israel beruhigt. Grund der Aufregung war Trumps Ankündigung, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. In jedem Fall solle, noch bevor die Soldaten ihre Rucksäcke packen, „die Sicherheit Israels und unserer Freunde in der Region garantiert sein“, erklärte Bolton nach Beratungen mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Trumps überraschende Ankündigung kurz vor Weihnachten, die rund 2000 in Syrien stationierten US-Soldaten abzuziehen, hatte in Israel Alarm ausgelöst. Hauptsorge ist, dass sich die iranischen Revolutionsgarden in dem entstehenden Vakuum ausbreiten werden. Zudem hoffte man, dass Washington einen Gegenpol zu Moskau bilden würde, das in Syrien über die vergangenen Jahre großen Einfluss gewonnen hat. Nun zeige sich, schrieb damals die Zeitung „Jediot Achronot“, dass Israel nur „ein militärischer Vorposten“ sei, „ein Testfeld für amerikanische Waffen“. Ähnlich enttäuscht kommentierte die „Times of Israel“: Die Entscheidung, „Amerikas Verbündete im Stich zu lassen“, sei ein „strategischer und moralischer Fehler“.

Die Empörung in Jerusalem und andernorts, gekoppelt mit dem Rücktritt von Verteidigungsminister James Mattis, ließ Trump auf die Bremse treten. Am Wochenende hatte er seinen Ton gemäßigt: Er habe niemals gesagt, „dass wir über Nacht rausgehen“. Die Truppen würden erst dann abgezogen, wenn der IS besiegt sei.

Einen genauen Zeitplan habe man nicht, so Bolton, der im Verlauf seines Israel-Besuchs die Beruhigungsversuche seines Chefs fortsetzte. Er sprach von „Bedingungen“ und „der Schaffung von Umständen, die wir sehen wollen“. Nach einem NBC-Bericht wird sogar eine dauer­hafte Stationierung von US-Truppen im Süden Syriens erwogen.

Boltons Mission auf seiner aktuellen Nahost-Reise gilt außer Israel den Kurden, die während des Bürgerkriegs Seite an Seite mit den US-Truppen gegen die Allianz des syrischen Präsidenten Baschar al Assad kämpften. Der US-Sicherheitsberater wird von Jerusalem aus am Dienstag in die Türkei reisen, um von Präsident Recep Tayyip Erdogan Garantien für die bisherigen Verbündeten einzufordern.

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