Abu Bakr al-Baghdadi — der Anführer der Isis im Irak

Dschihadisten rücken in Richtung Bagdad vor: Abu Bakr al-Baghdadi — der Anführer der Isis im Irak

Sie haben die Stadt Mossul und mehrere Regionen im Irak erobert: die Dschihadisten der Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis). Nach ihrer Blitzoffensive wollen sie nun auch auf die Hauptstadt Bagdad vorrücken. Angeführt wird die Gruppe von Abu Bakr al-Baghdadi, einem Mann, den die französische Zeitung "Le Monde" als den "neuen Bin Laden" bezeichnet und das "Time"-Magazin als den "gefährlichsten Mann der Welt".

Es gibt nur zwei verifizierte Fotos von Abu Bakr al-Baghdadi, denn der Mann, der die Isis anführt, hält sich gern im Verborgenen, wie die "Washington Post" schreibt. Eines stammt von den USA und zeigt einen bartlosen Mann mit rundlichem Gesicht. Das andere Bild wurde von der irakischen Regierung im Januar veröffentlicht und zeigen ihn älter und mit gut gestutztem Bart und im Anzug. Es werde gesagt, so schreibt die Zeitung, dass niemand wisse, wo al-Baghdadi sich aufhalte und dass er sich Gefangenen auch nur mit verhülltem Gesicht zeige. Auch gebe es nur wenige Erklärungen und Videos von ihm.

Informationen gibt es einige über den Anführer der Dschihadisten, aber nur die wenigsten davon sind auch bestätigt. Es sei schwierig, so schreibt die "Washington Post" zu unterscheiden, wo die Fakten enden und der Mythos al-Baghdadi beginnt. Klar ist aber, dass die USA ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt hat. Er sei ein skrupelloser Killer und ein kluger Stratege, heißt es. Er soll unter den Islamisten inzwischen sogar mehr Ansehen haben als Al-Qaida-Anführer Ayman al-Zawahiri. Er sei gewalttätiger, bösartiger und mehr anti-amerikanisch als al-Zawahri, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter einem Kolumnisten der Zeitung.

Dieses Foto von al-Baghdadi veröffentlichte die irakische Regierung im Januar dieses Jahres. Foto: afp, ADL/ma/mcp

2005 in US-Gefangenschaft geraten

US-Geheimdienste gehen davon aus, dass er über 7000 bis 10000 Getreue verfügt. Aimenn al-Tamimi, ein Experte für die militanten Einheiten in Syrien und im Irak, nennt ebenfalls die Zahl 10000. Darunter sollen Dschihadisten aus dem Irak, den Golfstaaten, Nordafrika und Europa sein. Hinzu kämen Tausende Unterstützer, die "staatliche" Dienstleistungen des selbstdeklarierten Staats für Isis übernähmen, sagt al-Tamimi.

Geboren wurde al Baghdadi laut den USA 1971 in Samarra unter dem Namen Awwad Ibrahim Ali al-Badri al-Samarrai. Er beanspuche für sich, ein direkter Nachfahre des Propheten Mohammed zu sein. Nach Angaben von Dschidisten stammt er aus einer religösen Familie. Seine Brüder und Onkel sollen Prediger und Professoren der arabischen Sprache und Rhetorik sein. Al-Baghdadi selbst soll Islamische Studien und Geschichte studiert und einen Doktortitel an der Islamischen Universität Bagdad erworben haben.

Als die USA 2003 in den Irak einmarschierten, soll er als Prediger tätig gewesen sein und anschließend angesichts der wirren Umstände dieser Zeit eine bewaffnete Gruppe im Osten des Landes gegründet haben. 2005 aber kam er in US-Gefangenschaft und verbrachte vier Jahre im Bucca Gefängnis im Süden des Irak. Aus dieser Zeit stammt auch das eine nachweisliche Foto von ihm. Es wird gemutmaßt, dass er in dieser Zeit auch erste Kontakte zu Al-Qaida-Kämpfern knüpfte. Nachdem er jahrelang mit diesen Gruppen gekämpft habe sei er 2010 der Anführer der Isis geworden.

Bruch mit Al-Qaida-Chef al-Zawahri

Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, dass ihn Kämpfer der Organisation Isis und Rivalen als einen Strategen bezeichnen, dem es gelinge, angesichts einer schwachen Zentralgewalt im Irak, aber auch in Syrien, seine Macht auszubauen. Ohne zu zögern beseitige er Gegner und ehemalige Verbündete. Gefangene Kämpfer würden in der Regel erschossen oder enthauptet. Einer seiner nicht-syrischen Anhänger sagte Reuters, für ihn habe jede Religion einen Staat außer der Islam. Und genau das wolle er ändern.

Dieses Porträt von Abu bakr a-Baghdadi stammt von einer amerikanischen Behörde. Foto: dpa, bjw

2013 schließlich löste er sich von Al Qaida, laut Reuters war der Grund ein Krieg, den al-Baghdadi gegen die Nusra-Front, eine dschihadistische-salafistische Organisation in Syrien, angezettelt hat. Für viele Anhänger al-Baghdadis sei der Bruch mit Al-Qaida-Anführer al-Zawahri aber nicht überraschend gekommen. Wie der schon zuvor zitierte Isis-Kämpfer sagt, sei er der einzige nach Osama bin Ladens Tod gewesen, der al-Zawahri nicht die Treue schwören wollte.

An seiner Gefährlichkeit lassen seine Anhänger jedenfalls keinen Zweifel. Angesichts seiner Entschlossenheit, seiner Armee und seines Glaubens, so sagt ein Anhänger Reuters, sollte ihn die Welt fürchten. "Wenn die Welt al-Baghdadi nicht fürchtet, dann sind sie Narren. Sie wissen nicht, was in Zukunft auf sie zukommt."

Der Nahost-Experte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik glaubt, dass die von der Isis eroberten Regionen vermutlich lange Zeit nicht durch die Regierung unter Kontrolle zu bringen sei, wie er im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" sagt. "Es besteht die Gefahr, dass sich dort längerfristig ein rechts- und staatsfreier Raum entwickelt, in dem Isis operieren kann."

Hier geht es zur Infostrecke: Isis/IS - Islamischer Staat im Irak und Syrien

(das)
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