Abu Bakr al-Bagdadi soll bei US-Luftangriff getötet worden sein

Berichte aus dem Irak : IS-Anführer al-Bagdadi soll bei US-Luftangriff getötet worden sein

Am Wochenende zerstörten US-Kampfjets nach Angaben des Militärs einen gepanzerten Konvoi der Dschihadisten bei Mossul. Jetzt zeigt sich: Der Angriff galt Dschihadistenführer Abu Bakr al-Bagdadi.

Die irakische Regierung untersuchte am Sonntag, ob der selbsternannte Kalif und Anführer der Miliz Islamischer Staat (IS) unter den Opfern eines Luftangriffs der US-geführten internationalen Militärkoalition auf einen Konvoi nahe Mossul war. US-Präsident Barack Obama sprach nach der Ankündigung zur Entsendung von weiteren 1500 US-Militärberatern vom Beginn einer "neuen Phase".

Das US-Zentralkommando Centcom teilte am Samstag mit, bei den Luftangriffen nahe Mossul sei am Freitagabend ein Konvoi aus zehn gepanzerten Fahrzeugen zerstört worden. Der Angriff habe sich gegen ein "Treffen von IS-Anführern" gerichtet. Es könne jedoch nicht bestätigt werden, dass al-Bagdadi getötet wurde. Ein hoher irakischer Geheimdienstvertreter sagte, es würden Berichte "informeller Quellen" geprüft, wonach der oberste IS-Führer unter den Opfern sei.

Am Abend meldete das irakische Staasfernsehen, der Anführer der Terrorgruppe sei verletzt worden. Zwei irakische Beamte bestätigten dies am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Demnach sagte ein Beamter des Innenministeriums, die Verwundung rühre von einem Luftangriff am Samstag in der Stadt Kaim in der Provinz Anbar. Der Beamte berief sich auf Informanten innerhalb des IS. Ein hoher Militärvertreter sagte ebenfalls, er habe die Information, dass al-Bagdadi verwundet sei. Wie schwer die Verletzungen sind, blieb zunächst offen.

Der britische Generalstabschef Nicholas Houghton sagte dem Rundfunksender BBC am Sonntag, er könne "nicht absolut bestätigen", dass al-Bagdadi getötet wurde. "Es wird wahrscheinlich einige Tage dauern, bis es eine absolute Bestätigung gibt." Die Tötung des selbsternannten Kalifen wäre ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen die Dschihadisten. Washington hat zehn Millionen Dollar (acht Millionen Euro) für seine Festnahme ausgesetzt.

Die US-Luftwaffe fliegt seit Wochen im Irak und Syrien mit europäischen und arabischen Verbündeten Angriffe auf die Dschihadisten. Zudem unterstützt Washington im Irak die regulären Streitkräfte sowie die kurdischen Milizen mit Ausbildern. Am Freitag kündigte US-Präsident Barack Obama an, bis zu 1500 weitere US-Militärberater in den Irak zu schicken. Laut dem Weißen Haus sollen die ersten Soldaten in den kommenden Wochen in den Irak verlegt werden.

Iraks Regierung begrüßte die Entsendung der Ausbilder, bezeichnete sie jedoch als "etwas spät". Demnach sollen die Berater aus den USA und anderen Staaten in vier oder fünf Ausbildungslagern eingesetzt werden. Mit der Entsendung der neuen Berater verdoppelt sich die Zahl der US-Soldaten im Irak praktisch auf 3100. Die USA hatten ihre letzten Kampfeinheiten 2011 abgezogen, nachdem Gespräche mit Bagdad über den Verbleib einer Resttruppe gescheitert waren.

Obama sprach am Sonntag im Fernsehsender CBS vom Beginn einer "neuen Phase". In der ersten Phase sei es darum gegangen, eine "inklusive und glaubwürdige Regierung" zu bilden. Dies sei nun erfolgt, sagte Obama. Nun "sind wir in der Position", nicht nur den Vormarsch der Dschihadisten aufzuhalten, sondern in die Offensive zu gehen. Allerdings würden die US-Truppen selbst nicht kämpfen, sondern die Iraker aus der Luft unterstützen.

Die irakische Armee hatte sich im Juni als unfähig erwiesen, den Vormarsch der IS-Milizen aufzuhalten. Zahlreiche Einheiten hatten sich kampflos zurückgezogen und dabei ihre Waffen zurückgelassen. Große Teile der Armee müssen daher neu aufgebaut werden.

Am Samstag verdeutliche eine erneute Serie von Bombenanschläge in Bagdad die prekäre Sicherheitslage. Wie Ärzte und Sicherheitskräfte mitteilten, wurden bei der Explosion der Autobomben in fünf mehrheitlich schiitischen Vierteln der Hauptstadt mindestens 37 Menschen getötet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi - der unsichtbare Scheich

(AFP AP)