Massive Proteste erwartet: Ab Montag macht Ägypten Mursi den Prozess

Massive Proteste erwartet : Ab Montag macht Ägypten Mursi den Prozess

Ägypten steht vor schwierigen Stunden: Ab Montag steht der gestürzte Präsident Mursi vor Gericht. Ihm wird Anstachelung zu Gewalt und Mord vorgeworfen. Seine Anhänger und seine Familie machen gegen den Prozess mobil - so eindrucksvoll, dass er verlegt wurde. Die Furcht vor Ausschreitungen ist groß.

Einen Tag vor dem Auftakt ist der Prozess gegen den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi überraschend an einen anderen Ort verlegt worden: Er soll am (morgigen) Montag nicht im Süden, sondern im Osten Kairos in einer Polizeiakademie beginnen, wie die Justiz am Sonntag mitteilte. Hintergrund ist offenbar die Furcht vor Ausschreitungen am ursprünglich gewählten Ort.

Die Anhänger des früheren Präsidenten hatten zu Massendemonstrationen aufgerufen. Seine Familie zweifelt ebenfalls öffentlich an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens. Man werde an dem Prozess nicht teilnehmen, kündigte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP an.

Das Vorgehen ist heikel

Insgesamt gilt das juristische Vorgehen gegen den einst frei gewählten Mursi und andere führende Muslimbrüder als politisch heikel in dem seit Monaten von Unruhen und Protesten erschütterten Land. Die Behörden befürchten, dass Mursi seinen Prozess als politische Plattform nutzen und für sich als rechtmäßiges Staatsoberhaupt werben könnte.

Mursi war nach Massenprotesten gegen ihn und seine islamistische Ausrichtung am 3. Juli vom Militär gestürzt worden. Er wird seither an einem unbekannten Ort festgehalten. Die Justiz wirft ihm und 14 weiteren Angehörigen seiner Muslimbruderschaft in dem Verfahren Anstachelung zur Gewalt und Mord vor. Es geht um die Tötung von Demonstranten vor knapp einem Jahr.

Menschenrechtsaktivisten besorgt

Am 5. Dezember 2012 hatten Tausende Ägypter vor dem Präsidentenpalast gegen Mursi demonstriert und ihn aufgefordert, eine umstrittene Verfassungserklärung zurückzunehmen, die ihn über die Justiz gestellt hätte. Die Polizei hielt sich zurück, doch Anhänger des Präsidenten schritten ein. Am Ende waren zehn Menschen tot. Laut Anklage sollen Mursi und die Muslimbruderschaft dafür verantwortlich sein.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mahnte die Übergangsregierung am Sonntag zu einem fairen Verfahren. Mursis Prozess sei ein Test. Er müsse die Chance bekommen, die gegen ihn vorgebrachten Beweise vor Gericht zu entkräften. "Sollte dies nicht geschehen, würde dies neue Zweifel an den Motiven für diesen Prozess wecken", erklärte die Gruppe. Sie forderte auch, Mursi solle entweder freigelassen oder in eine bekannte Haftanstalt überführt werden.

Seit Mursis Sturz hat die vom Militär gestützte Übergangsregierung Tausende Anhänger der Muslimbruderschaft festnehmen lassen. Viele sind ebenfalls wegen Anstachelung zur Gewalt angeklagt. Mitte August hatten die Behörden zudem zwei Protestcamps der Mursi-Anhänger in Kairo mit Gewalt räumen lassen. Danach erschütterte eine Welle der Gewalt das Land.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mohammed Mursi - Ex-Präsident und Muslimbruder

(ap)
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