Eskalation im Nahen Osten : 800 Angriffe in Gaza - Hamas schwört Rache
Gaza Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu: Die israelische Luftwaffe hat nach palästinensischen Angaben die Zentrale der Hamas-Regierung im Gazastreifen bombardiert. Israel meldet mehr als 800 Angriffe. Nun schwört die Hammas Vergeltung.
Die israelischen Streitkräfte haben bei ihren Luftangriffen im Gazastreifen nach eigenen Angaben bisher mehr als 800 Ziele getroffen. Das Militär erklärte am Samstagmorgen, allein in der Nacht habe die Luftwaffe rund 180 Angriffe geflogen. Das Innenministerium in Gaza teilte mit, die israelischen Kampfflugzeuge hätten Verwaltungsgebäude von Regierung und Polizei, Schmugglertunnel und ein dreistöckiges Wohngebäude getroffen.
Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas gibt sich weiter kämpferisch. "Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben. Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen", hieß es in einer am Samstag verbreiteten schriftlichen Mitteilung des Hamas-Sprechers Sami Abu Suhri.
Hamas-Zentrale viermal getroffen
Die Zentrale der Hamas-Regierung in Gaza-Stadt sei insgesamt vier Mal angegriffen worden, hatte die radikalislamische Palästinenserbewegung im Vorfeld mitgeteilt. Augenzeugen berichteten von schweren Schäden an dem Gebäude. Seit 2007 hat die Hamas die Kontrolle über das Gebiet.
Attackiert wurden das Büro des Ministerpräsidenten Ismail Hanijeh sowie eine Polizeizentrale, teilte die Hamas mit. Ein israelischer Militärsprecher bestätigte den Angriff auf Hanijehs Büro. Dort hatte dieser am Freitag noch den ägyptischen Ministerpräsidenten Hisham Kandil empfangen.
Israelische Reservisten rücken in Kasernen ein
Als Reaktion auf anhaltende palästinensische Raketenangriffe auf Südisrael bombardiert die israelische Luftwaffe seit Tagen den Gazastreifen; doch gelang es ihr bislang nicht, die Hamas zum Einlenken zu zwingen. Aus dem Gazastreifen wurden rund 500 Raketen auf Israel abgefeuert. Nach Tel Aviv zielte eine Rakete erstmals nach vier Jahrzehnten am Freitag auch auf Jerusalem.
Auf palästinensischer Seite kamen bei den Angriffen seit Mittwoch mindestens 30 Menschen ums Leben. In Israel wurden drei Menschen getötet.
Die Gefahr wächst, dass Israel den nächsten Schritt einleitet und eine Bodenoffensive im Gazastreifen startet.
Ägypten auf der Seite der Hammas
Der ägyptische Ministerpräsident Kandil hatte am Freitag gesagt, sein Land sei zur Vermittlung bereit, um eine Waffenruhe auszuhandeln. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die für den Besuch des ägyptischen Regierungschefs Hischam Kandil vereinbarte Waffenruhe gebrochen zu haben. Nach Darstellung der Hamas griff Israel während der Visite Kandils aus der Luft an und tötete zwei Menschen.
Die israelischen Streitkräfte erklärten dagegen, während des Besuchs seien keine Angriffe auf Gaza geflogen worden. "Die Hamas lügt", erklärte die Armee über den Kurznachrichtendienst Twitter. Seit Mittwoch sind 22 Palästinenser und drei Israelis in dem Konflikt ums Leben gekommen.
Ägypten, das regelmäßig zwischen beiden Parteien vermittelt, schlug sich auf die Seite der Palästinenser. Präsident Mohammed Mursi warf der Regierung in Jerusalem eine unverhohlene Aggression vor.
Mit Blick auf den Arabischen Frühling sagte er: "Das Ägypten von heute ist nicht mehr das Ägypten von gestern." Der Präsident war im Zuge des Volksaufstandes an die Macht gekommen. Tausende Ägypter gingen in mehreren Städten auf die Straße, um gegen die israelischen Luftangriffe zu protestieren.
Demonstrationen in Kairo
Nach den Freitagsgebeten versammelten sich etwa in Kairo mehr als 1000 Menschen und schwenkten ägyptische und palästinensische Fahnen.
Die Hamas ist ein Ableger der Muslimbrüder, die Mursi stützen. Der Staatschef hatte nach seinem Amtsantritt zugesichert, den Friedensvertrag mit Israel einzuhalten. Dieser gilt als Säule des brüchigen Friedens im Nahen Osten.
Aus palästinensischen Kreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, während des Besuch Kandils in dem Küstenstreifen sei an einer Entspannung des Konflikts gearbeitet worden: "Es wurde ein Prozess begonnen, um die Möglichkeit eines Waffenstillstands auszuloten." Noch sei es aber zu früh, um Details zu nennen.
Merkel macht Hamas verantwortlich
US-Präsident Barack Obama setzte sich in erneuten Telefonaten mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Ägyptens Präsident Mohamed Mursi für eine Deeskalation in der Gaza-Krise ein.
Die Konfliktparteien wurden vom Ausland zur Zurückhaltung aufgerufen. Merkel und Putin warnten vor einer weiteren Eskalation. Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt sei die Hamas, sagte Merkel zum Abschluss der deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Moskau.
"Wir appellieren an die ägyptische Regierung, auch den Einfluss auf die Hamas geltend zu machen, damit es zu keiner weiteren Eskalation kommt." Putin betonte, beide teilten die Besorgnis über das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel.