50 Jahre deutsch-israelische Freundschaft - ein Kommentar

50 Jahre deutsch-israelische Freundschaft : Um Himmels willen, Israel

Deutschland und Israel feiern 50 Jahre diplomatische Beziehungen. Keine Selbstverständlichkeit nach der Schoah. Umso bemerkenswerter ist die deutsch-israelische Freundschaft. Ein Kommentar von Martin Kessler.

In seinem provokativen Buch "Israel, um Himmels willen, Israel" beschreibt der unlängst verstorbene jüdisch-deutsche Schriftsteller Ralph Giordano über das Dilemma des Judenstaats. Bedrängt von Todfeinden, fragmentiert im Innern und immer um seine Existenz bangend, muss Israel so tun, als sei es ein ganz normaler Staat. Dass man an ein solches Land nicht immer die Maßstäbe einer gesättigten westlichen Demokratie anlegen kann, versteht sich von selbst.

Und Israel kann sich seine Freunde nicht aussuchen. Es muss mit einem autokratischen Ägypten paktieren, einen mit allen Wassern gewaschenen Geheimdienst unterhalten und eine bis an die Zähne bewaffnete Armee finanzieren. Zugleich muss es sich eng an die Supermacht USA schmiegen, egal ob der Präsident Bush oder Obama heißt.

Dass ausgerechnet die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger von Nazi-Deutschland der zweitbeste Freund Israels ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Aber diese Verbindung ist für beide Länder essenziell, im Falle Deutschlands sogar mit der Staatsraison verbunden. Es war einer von Merkels klügsten Schachzüge, dies so offen auszusprechen. Darauf gründet sich die deutsch-israelische Freundschaft, trotz aller Unterschiede über Siedlungspolitik oder Zwei-Staaten-Lösung.

(kes)