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Berlin: Auch der Bundestag spricht von Völkermord an Armeniern

Berlin : Auch der Bundestag spricht von Völkermord an Armeniern

Der Bundestag hat erstmals das Massaker osmanischer Truppen an Armeniern vor genau 100 Jahren als Genozid verurteilt und riskiert damit die Eintrübung der Beziehungen Deutschlands zur Türkei. "Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gestern und traf damit den Tenor der Sprecher aller Fraktionen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, er teile den Schmerz der Armenier, wies aber die bereits am Donnerstag von Bundespräsident Joachim Gauck gewählte Bezeichnung Völkermord erneut zurück. Diese wertet er als Verunglimpfung seines Landes. Am späten Abend verschärfte das Außenministerium in Ankara den Ton: "Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen." Gauck habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche.

In der armenischen Hauptstadt Eriwan nahmen die Präsidenten Russlands und Frankreichs, Wladimir Putin und François Hollande, an einer Gedenkveranstaltung für die mehr als eine Million Opfer teil. Der armenische Präsident Sersch Sargsjan sagte: "Die Anerkennung des Völkermords ist ein Triumph des menschlichen Gewissens und der Gerechtigkeit über Intoleranz und Hass."

(RP)